Begeisterung über das eigene Tun
Seit zwei Jahren will das Neumarkt kein Theater mehr sein. Jedenfalls nicht im Namen. Nur noch «Neumarkt», bitte. Als «kleinstes Dreispartenhaus der Schweiz» hat das Direktorinnen-Trio Hayat Erdogan, Tine Milz und Julia Reichert dem Theater die Sparten Playground und Akademie beiseitegestellt, jüngst erweitert um das coronabedingt liebgewonnene Digital.
Während Akademie vortrags- und workshopartige Podien umfasst, steht Playground laut Selbstbeschreibung für «künstlerisches Experiment, spielerische Interventionen» und «Praxen der Kunstproduktion jenseits der eingespielten Räume und Routinen». Das klingt theoretisch alles neu und modern, kommt einem praktisch aber dann doch bekannt vor. Der Playground-Vertreter «Mimikry: Mater Dolorosa Bleed» etwa ist Mitmachtheater der alten und partizipativ-immersives Theater der neuen Art. Da wird sich im Kreis gestellt, werden Hocker hin- und hergetragen und zu Klatsch- und Fangspielen animiert. Drumherum gibt es Unterrichtsstunden, pardon: Classes. Schulhofatmosphäre total also, dicke Pausenbrote inklusive.
Denn das Gedankenspiel der Performancegruppe The Agency in Kooperation mit dem Neumarkt ist dieses: Das Publikum ist angetreten als ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2022
Rubrik: Theatermodelle, Seite 34
von Valeria Heintges
Als der schwedische Ethnopopstar Gustav seiner Muse und Backgroundsängerin Sky nach liebestrunkener Tournee die zweite Sprachnachricht sendet, kündigt er an, seiner Frau Klara die neue Liebe zu beichten. Doch jeder Satz, den Lindy Larsson als Gustav ins Handy spricht, scheint ein neues Fettnäpfchen zu eröffnen: «It will be painful at first, but eventually she will...
Direkt neben der Keupstraße, dem Ort des NSU-Nagelbombenanschlags von 2004, liegen seit 2014 die Spielstätten des Schauspiels Köln. Die Verankerung des Schauspiels in diesem wenig beachteten Stadtteil am Rande Kölns wurde vor allem dadurch erreicht, dass der damalige Chefdramaturg Thomas Laue und Regisseur Nuran David Calis den zehnten Jahrestag des Anschlags zum...
Kolonialverbrechen, Klassismus, Jugendproteste in Südamerika, das defizitäre Europa – die Spielzeiteröffnung am Schauspiel Dortmund darf als Ansage verstanden werden. Zentral sind Politik, Perspektivwechsel, neue Texte. Und es geht hier grundlegend um die Positionsbestimmung als Künstler:in, als immer noch neues Ensemble um Intendantin Julia Wissert, die 2020...
