Ballade vom Banalen
Frau und Mann haben ein Kind gezeugt. Das kommt gemäß evolutionärem Istzustand vor, nur nicht immer mit Bedacht. Das Tröstliche an so einem Ereignis ist der schier übermenschliche Wille zur Harmonie, der jede noch so brüchige Bindung in Heilwolle wickelt. Das hilft. In den ersten paar Wochen.
In Freiburg badet das gebärfreudige Jungbürgertum dann gern an exponierter Lage in der badischen Wintersonne.
Kinderstimmen zwitschern, Seifenblasen schillern, die Stadt ein Spielplatz, das Leben ein Werbefilm für sich selbst, gedreht von Kamerafrau Agnesh Pakozdi und der Autorin und Regisseurin Susanne Heinrich für deren Theaterprojekt «Mutter.Liebe». Als Farbfilter müssen hier Elternglückshormone gedient haben. Zumindest ist der Videoprolog im Kleinen Haus des Freiburger Theaters davon geradezu übersättigt.
Solche Bilder im Kopf fördern vor allem eines: den Leistungsdruck. Jetzt sollen sie mal liefern, die ausgelaugte Jungmutter, der fluchtinstinktgesteuerte Jungvater. Auch daheim auf der Ikea-Couch, wo höchstens die Spieluhr an Idylle glaubt und im Sofarücken die versammelten Mutterikonen der Kunstgeschichte von der Wand glotzen, die stillende Madonna, die Magd, Klimt und Kahlo, Fouquet, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2024
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Stephan Reuter
BERLIN, GROPIUS BAU ab 27.4., Radical Playgrounds: From Competition to Collaboration.
Elf Wochen wird auf dem Parkplatz am Gropius Bau ein Labyrinth aus großformatigen Kunstwerken und vielfältig begehund erklimmbaren Skulpturen entstehen, mit Performances, Workshops sowie einer Ausstellung. Kuratiert von Joanna Warsza und Benjamin Foerster-Baldenius mit den...
Liebe. Wer hätte gedacht, dass alles auf dieses Wort hinausläuft? Vieles habe ich mit dem Theater von René Pollesch verbunden: «Postdramatik» und radikale Zeitgenossenschaft, Pop und Politik, Feminismus und Queerness, Witz und Theorie und den frühen Versuch, Autorschaft und Repräsentation im Theater neu zu denken. Aber Liebe? Wurde nicht «bei Banküberfällen» damit...
Wie spielt man einen jungen Mann, der beschlossen hat, Céline Dion zu sein? Und zwar ohne einen Anflug von Overacting oder ironischer Distanz? Die französische Erfolgsdramatikerin Yasmina Reza wühlt in ihrer zugegebenermaßen nicht besonders tiefenscharfen Komödie «James Brown trug Lockenwickler» mit dieser Setzung im Klärschlamm ressentimentbeladener...
