Ballade vom Banalen
Frau und Mann haben ein Kind gezeugt. Das kommt gemäß evolutionärem Istzustand vor, nur nicht immer mit Bedacht. Das Tröstliche an so einem Ereignis ist der schier übermenschliche Wille zur Harmonie, der jede noch so brüchige Bindung in Heilwolle wickelt. Das hilft. In den ersten paar Wochen.
In Freiburg badet das gebärfreudige Jungbürgertum dann gern an exponierter Lage in der badischen Wintersonne.
Kinderstimmen zwitschern, Seifenblasen schillern, die Stadt ein Spielplatz, das Leben ein Werbefilm für sich selbst, gedreht von Kamerafrau Agnesh Pakozdi und der Autorin und Regisseurin Susanne Heinrich für deren Theaterprojekt «Mutter.Liebe». Als Farbfilter müssen hier Elternglückshormone gedient haben. Zumindest ist der Videoprolog im Kleinen Haus des Freiburger Theaters davon geradezu übersättigt.
Solche Bilder im Kopf fördern vor allem eines: den Leistungsdruck. Jetzt sollen sie mal liefern, die ausgelaugte Jungmutter, der fluchtinstinktgesteuerte Jungvater. Auch daheim auf der Ikea-Couch, wo höchstens die Spieluhr an Idylle glaubt und im Sofarücken die versammelten Mutterikonen der Kunstgeschichte von der Wand glotzen, die stillende Madonna, die Magd, Klimt und Kahlo, Fouquet, ...
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Theater heute April 2024
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Stephan Reuter
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