Aus dem zersplitterten Europa
Joachim Lux friert. Der Intendant des Hamburger Thalia Theaters sitzt mit Schal und Mütze in der augenscheinlich ungeheizten Theaterbar Nachtasyl und bibbert einen Text in die Kamera, eine eher freundliche als erhellende Begrüßung zum pandemiebedingt ins Internet verlagerten Festival Lessingtage: «When theatres are closed, audiences come together in their homes for a pan-european gettogether», kündigt er akzentschwer an, wobei hier vor allem der Plural bemerkenswert ist: Es geht um «audiences», um Publika, die sich in ihren Privaträumen versammeln sollen.
Vereinzelung der Theaterfans, die Zusammenkunft entsteht durch das Festival – das ist gedanklich reizvoll, als intellektuelle und theaterpraktische Übung aber auch nicht ohne Fallstricke.
Die Lessingtage hat Lux zu seinem Amtsantritt in Hamburg 2009 aus der Taufe gehoben, ein bewusst international ausgerichtetes Festival alljährlich im Januar, das einerseits einen kulinarischen Theatergeschmack bedienen, andererseits aber auch politische Fragen nach dem multikulturellen und nicht zuletzt multireligiösen Zusammenleben in der Großstadt aufwerfen soll. In guten Jahrgängen war das dann tatsächlich ein Schaulaufen des europäischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 49
von Falk Schreiber
Martin Ramb Herr Radtke, Sie haben ja ungeheuer viel in Ihrem Leben gemacht. Sie sind Behindertenaktivist, Schriftsteller und Schauspieler. Fühlen Sie sich zu einer dieser Berufsbezeichnungen besonders hingezogen und könnten Sie Ihre Hauptaufgabe nennen?
Peter Radtke Früher hätte ich vielleicht Schauspieler gesagt. Aber dadurch, dass ich nicht mehr auf der Bühne...
Niemand kann derzeit genau sagen, ob, wie und wann genau das Berliner Theatertreffen stattfinden wird. Aber die Auswahl steht!
Eingeladen sind Anna Gmeyner «Automatenbüffett» (Regie Barbara Frey, Akademietheater Wien), «Der Zauberberg» nach Thomas Mann (Regie Sebastian Hartmann, Deutsches Theater Berlin), «Einfach das Ende der Welt» nach Jean-Luc Lagarce (Regie...
Ein Jahr wohnt das Theater nun im Netz-Asyl. Ein Jahr, bei kurzer Sommerspielzeit-Lockerung, in einem an sich filmisch dominierten Medium, mit dem das Theater lange gefremdelt hatte. Der Erfahrungszuwachs ist frappierend. Im ersten Corona-Lockdown 2020 wurde im spontanen Ringen um Sichtbarkeit alles an die digitale Rampe gewuchtet, was die hauseigenen Videoarchive...
