Augenhöhe oder Apokalypse
Eigentlich wollte ich Hannah Arendts umstrittenen Text «Reflections on Little Rock» von 1959 besprechen, mit dem sie sich gleich nach dem Erscheinen einige Kritik eingehandelt hatte. Sie sprach sich darin zwar eindeutig gegen Rassismus aus, machte aber eine Unterscheidung zwischen Gleichheit als politischem Recht, das durch die Verfassung gegeben sein müsse, und sozialer Diskriminierung als «berechtigter Praxis» – und hierfür wählte Arendt das Beispiel, an einem Ferienort als Jüdin auch gerne unter Juden sein zu wollen.
Sie kritisierte die Durchsetzung der Integration der ersten neun afroamerikanischen Schüler*innen an einer High School (Little Rock Nine) durch die Entsendung der Nationalgarde als zwanghaft, da die Eltern dadurch des Rechts auf Selbstbestimmung beraubt seien. Arendt, der Bildung als Privatsache und zweitrangig erschien, erhob auch Einwand dagegen, dass die Medien eine einzelne Schwarze Schülerin zur Ikone machten und fragte: «Sollen jetzt Kinder die Welt verbessern?» Greta wüsste die Antwort.
Arendts Beispiel des jüdischen Safer Space erinnerte mich dann aber daran, nochmals James Baldwins berührenden Essay-Briefband «The Fire Next Time» von 1963 zu lesen. Baldwin ...
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Theater heute August/September 2020
Rubrik: Lektüresommer, Seite 56
von Kevin Rittberger
Als She She Pop im vergangenen Jahr mit dem Berliner Theaterpreis ausgezeichnet wurde, fiel auf der Preisverleihung die Floskel von der «Ankunft im Establishment». Gut möglich, dass die belustigten Performerinnen sie sogar selbst im Mund führten. Doch die Formulierung hatte auch einen bitteren Beigeschmack. Nicht nur, dass die Gruppe das Preisgeld in Höhe von...
Es tut mir leid, ich bin zu müde, um die Performance heute Nacht zu spielen. Ich habe dafür keine Energie mehr», sagt Tim Etchells einmal. Und kurz merkt man am Bildschirm auf: Hallo, was ist das? Streckt der jetzt die Waffen und wirft hin? Die Online-Performance hatte sich bis zu diesem Moment in einer erlesenen Schluffigkeit präsentiert: Etchells hockt vor seinem...
/ markiert eine unterbrechung
… markiert eine pause
– zeigt an, dass eine neue person spricht
*** markiert den beginn einer neuen szene, in der die besetzung neu gemischt werden kann
♫ kennzeichnet die folgende rede als gesang
im chor sprechen alle, mit der ausnahme der vorrednerin/nen
mindestens 4 spielerinnen
Figuren:
ICH
ICH
ICH
ICH
ICH
ICH
ICH
ICH
ICH
ICH
ICH
...
