Applaus für die Schöpfung
Die Küche ist out of proportion. Kühlschrank gut drei Meter hoch, Herdplatten auf eins siebzig, und wer sich hier auf den Küchenstuhl setzen will, muss klettern oder springen. Doch es ist nicht nur die Übergröße, die Ersan Mondtags Ensemble verzwergt und seine Küchenbühne so unheimlich macht: Da ist, geradeaus über den Einbauschränken, ein schwer vergittertes Fenster hinaus in einen endlosen, videoanimierbaren Flur. Da gleißt, wenn links der begehbare Kühlschrank der Firma Sieg (!) offen steht, ein kalt lockendes Weißlicht auf die Schachbrettfliesen.
Und gegenüber hängt unterm Kruzifix eine schwere Eisentür in der Wand, als loderten dahinter die Krematorien von Auschwitz.
Die Küche ist schon die zweite Ableitung einer Mythenverpflanzung, die zunächst Autor Thomas Köck vorgenommen hat: Seine Version oder vielmehr Destruktion – wie der durchgestrichene Titel «wagner – der ring des nibelungen (a piece like fresh chopped eschenwood)» nahe legt – des deutschen Nibelungen-Mythos spielt nämlich in der Psychiatrie. Dort stehlen Oberarzt Wotan und Klinikmanager Hagen den Ring, um die Riesen Fafner und Fasolt zu bezahlen, während Siegfried eine brutale «Heilung» droht: Ihm sollen die ...
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Theater heute August/September 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Eva Behrendt
(D) feierst du alleine?
(E) nein (lacht) ich dachte, hier findet eine Silvesterfeier statt
(D) ja eigenartig, das dachte ich auch (lacht) ich dachte am Strand sind bestimmt schon ein paar Menschen, die angefangen haben zu feiern
(E) ja, ein paar Menschen mit Musik und Getränken, das dachte ich auch
(D) aber es sieht nicht nach einer Feier aus, im Gegenteil (lach...
Obwohl Christophe Slagmuylder seit bereits drei Jahren Intendant der Wiener Festwochen ist, fällt es immer noch schwer, seine Arbeit einzuschätzen. Die ersten von ihm verantworteten Festwochen 2019 zählen nicht wirklich, weil Slagmuylder so kurzfristig berufen worden war, dass ihm für das Kuratieren nur ein paar Monate blieben. Seine zweiten Festwochen konnten...
Die fettige Langhaarperücke über der hohen Stirn, die Gänge mit freiem Oberkörper in ausgeleierten Shorts, das maulige Muss-wohl-auch-mal-ne-Jeans-Drüberziehen, wenn’s denn sein soll, diese ganze durchweg herabgedimmte Haltung, mit der Joachim Meyerhoff mal hier, mal dort auf der Bühne lungert, da weiß man, selbst wenn man den Roman noch nicht gelesen hat: Wird...
