Ansichten eines Zirkuspferds
Man vergisst oft, dass für viele Länder Osteuropas der Kommunismus eine Zeit der Moderne war», gab der deutsch-russische Kunsttheoretiker Boris Groys nach dem Abriss des Palastes der Republik im Jahr 2007 zu bedenken. «Man will den Kommunismus bekämpfen, aber de facto bekämpft man die Moderne und landet bei vormodernen kulturellen Haltungen.
»
Treffender kann man das langjährige stadtplanerische und kulturpolitische Versagen, das letztlich zum Schloss-Replikat in Berlins historischer Mitte geführt hat – eine Art Themenpark um deutsche Monarchie und Imperialismus –, kaum auf den Punkt bringen. Bereits unmittelbar nach der Wiedervereinigung meldeten sich die ersten konservativ-revanchistischen Stimmen um Joachim Fest oder Wolf Jobst Siedler («Das Schloss lag nicht in Berlin – das Schloss war Berlin») aus der Tiefe der alten Bundesrepu -blik und spekulierten über eine Zukunft der Berliner Mitte nach historischem, imperialistischen Vorbild.
Das eigentlich Unfassbare daran ist, dass sich diese völlig abstruse Gesinnung durchgesetzt hat und (teils) mit Spendengeldern realisiert wurde. Entsprechend aufwendig und erklärungs -bedürftig gestaltet sich nun die Präsentation der ...
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Theater heute August/September 2022
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Anja Quickert
I
Adelheid Duvanel: Fern von hier
Ich lese gierig, mir tropfen die Seiten ölig aus dem Mund, die Worte, einstmals behutsam gesetzt, fallen durcheinander in den Rachen.
Da war/ist etwas groß, irrlichternd und doch zielstrebig. Da war/ist etwas wissend, malmend, doch suchend. Da saß ein Tier mit einem starken Kiefer und blickte seinen Lesenden entgegen, ein Tier mit...
SZENE 0
Eingeblendeter Text:
Im Sommer 2018 war ich in Polen auf der Suche nach Zeugen der Operation Wisła.
Sie sind jetzt schon sehr alt und fast alle sind Frauen. Ihre Geschichten sind fast alle gleich.
«Wir waren auf dem Feld. Dann kam ein Soldat. Er hat gesagt, wir haben eine Stunde zum Packen. Wir kamen zum Bahnhof. Mussten in Viehwaggons einsteigen. Wir...
Doch schon wieder 20 Jahre her, dass US-Rapperin Khia die Community ermächtigte, ihr die Pussy und ähnlich provokante Partien ihres Körpers zu lecken, und zwar gut. Andererseits: Eine geschlechtlich – grob geschätzt – zumindest dreideutige Hindu-Göttin wie Kali streckt dem Patriarchat ja auch seit Jahrtausenden die Zunge raus. Will sagen: Time Gaps hin oder her,...
