Angst als Universalmotor
Das Leiden an sich selbst gehört zu den Lieblingsdisziplinen von Wohlstandsgesellschaften. Wo objektiv die meisten materiellen Bedürfnisse übererfüllt sind, entstehen andere, diffuse Defizite, Zweifel an der eigenen Konsumtauglichkeit, Unlust, sich der Kontrolle und dem Konformitätsdruck der Außenwelt auszuliefern, oder es lauert schlicht die Angst, dass es ohnehin nur noch abwärts gehen kann.
Solcherlei Bedenken dämpfen bereits prophylaktisch die Freude am Gesundsein, was je nach kulturellem Kontext zu sehr unterschiedlichen dramatisch-pathologischen Erscheinungsbildern führt, wie man Ende vergangenen Jahres auf beiden Seiten der Maximilianstraße erleben konnte.
Totalverweigerer im Kinderzimmer
Ein wenig ist es wie der Blick durchs Schlüsselloch in eine sehr fremde Welt, wenn Toshiki Okada an den Münchner Kammerspielen inszeniert. Bereits zum vierten Mal seit 2015 fand unter der Intendanz von Matthias Lilienthal eine west-östliche Kollaboration zwischen dem japanischen Theatermacher (und Begründer der chelfitsch Theater Company) und dem Münchner Ensemble statt. Längst haben die Akteure, allen voran Thomas Hauser, der bei allen Produktionen dabei war, die aus modifizierten ...
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Theater heute Februar 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Silvia Stammen
Die Mutter war Krankenschwester und stolze SED-Genossin in Ostberlin, die sich in einen Mann verliebt, der noch vor der Geburt seines Sohns in den Westen verschwindet und sich später als alter Nazi erweist. Als sie ihm nach Jahren in einer abenteuerlichen Republikflucht endlich folgt, muss sie feststellen, dass er längst mit einer anderen verheiratet ist. So bleibt...
Seit der britischen Vorweihnachtswahl ist klar: Jetzt ist Schluss mit lustig. Wie eine Platte mit Sprung hat Premierminister Johnson bei jedem Kampagnenauftritt seine zwei Mantras vom «oven-ready deal» und «get Brexit done» runtergeleihert – selbst wenn er sich das Grinsen manchmal nicht verkneifen konnte. Für seine Ausdauer ist Alexander Boris de Pfeffel Johnson...
Weil das Theater für ihn zur Zeit wenig von sich hermacht, hat sich der an nachlassender Bilderlust nicht leidende Graphiker und Bühnenbildner Volker Pfüller mehr aufs Büchermachen und farbenreiche Landschaftsmalerei konzentriert. Er hat von 1979 bis 1986 in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Alexander Lang in Berlin dem Deutschen Theater mit...
