Am Seerosenteichrand
Zu Ingrids Geburtstag gibt’s gute Laune, ein Gedicht und einen Shopping-Gutschein in London. Zum Frühstück Schnaps und Kuchen und einen Überraschungsbesuch vom «verliebten Major». Ingrid (Rosa Thormeyer), das ist eigentlich Irina, die jüngste der drei Tschechowschen Schwestern. Ortrud (Oda Thormeyer) und Mechthild (Cathé-rine Seifert) heißen die beiden älteren, statt Olga und Mascha; ihr Bruder Andrej: Alfi.
Anne Lenk hat gemeinsam mit der Dramaturgin Susanne Meister eine eigene «Drei Schwestern»-Fassung erstellt.
Nice und gechillt gibt es neue Namen für alle Figuren und eine gute Dosis Spaßtempo für (fast) alle Szenen. Da wird schneller gesprochen als gedacht, da wird kein Fauxpas ausgespart, da wird im Nahkampf gelästert und herrlich laut gejammert. Schließlich ist das Leben der «Drei Schwestern» auch in dieser überarbeiteten Version eigentlich schrecklich langweilig. Ist ein einziges Sehnen nach Glück, das sich bekanntlich nicht einstellt, ein einziges Sehnen nach Liebe, die bekanntlich ungelebt bleibt, und ein einziges Sehnen nach einem anderen, besseren Ort. «Nach Moskau» jedoch sehnt sich hier gegenwärtig keine:r, vielmehr «nach Hause» und das so schnell wie möglich. ...
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Theater heute Juni 2023
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Katrin Ullmann
Aus diesem Grab, das ihr Leben ist, kommt Marie nicht mehr heraus. Anfangs lässt sie den Grubensand noch sanft durch die Finger rieseln. Dann versucht sie, sich an den Wänden hochzuziehen, immer wieder, doch der Staub hat sie glatt und unüberwindlich gemacht. Nur Woyzeck schafft es aus dem Erdloch (Bühne Julia Nussbaumer) zum klinisch weißen Haus hinauf, neonkalt...
BERLIN, GEORG KOLBE MUSEUM bis 20.8., Tilla Durieux. Eine Jahrhundertzeugin und ihre Rollen
Anhand zahlreicher Kunstwerke von bedeutenden Künstler:innen und Dokumenten aus dem Nachlass Tilla Durieux’ wird ein Panorama des Lebens der Künstlerin sowie der Kulturund Theatergeschichte des 20. Jahr -hunderts erlebbar.
BERLIN, HOCHSCHULE FÜR SCHAUSPIELKUNST ERNST BUSCH...
Wenn das Telefon klingelt, ist der Spaß vorbei. Dann ist Rom in der Leitung, die Pflicht ruft. Immerhin leben Antonius und Kleopatra noch im Zeitalter der Wählscheibenapparate mit Kringelschnur, die Erreichbarkeit bleibt also überschaubar. Sonst würde Shakespeares Plot auch in sich zusammenbrechen, der zwischen Äypten und Rom zwei Welt- und Menschenbilder...
