Am Nullpunkt

Robert Borgmann inszeniert sich am Berliner Ensemble durch Rainald Goetz’ Punksuada «Krieg», Herbert Fritsch forscht in «Null» an der Schaubühne nach ersten und letzten Dingen

Im Kleinsten steckt das Allergrößte, das wussten schon die Mystiker. Also zum Beispiel die Unendlichkeit in der Zahl Null. Oder, anderes Beispiel, das größtmögliche Desaster im winzigen Einsilber «Krieg». Der betitelt eine epochale Suada, die Rainald Goetz dem Theater 1986 vor den Latz geknallt hat (um es gleich mal in der richtigen Tonlage auszudrücken). Krieg also. Und dann gute dreihundert Suhrkamp-Seiten später: «Still – Stirbt – Finsternis». Kantige Wörter an den Enden der Parabel.

Dazwischen aber, ganz wie in einer Parabel, genügt nicht die einzige Punktierung, sondern da muss sich alles und jedes potenzieren: Also nicht «Dreck», sondern «Dreck – Dreck – Drecksdreck». Ein Wortschwall sondergleichen zur Flutung der «Wahrheitsgaskammer Theater».

Im Auftakt des als Triptychon angelegten Werkes, «Heiliger Krieg» genannt, bietet Goetz ein Panoptikum des palavernden bundesdeutschen Bürgertums nach Machart von Karl Kraus’ «Die letzten Tage der Menschheit». Der Mittelteil «Schlachten» hält das Thomas Bernhardsche Lamento eines verhinderten Malers bereit, der statt in den Künstlerolymp in den Hafen der bürgerlichen Familie eingebogen ist. In der finalen «Kolik» kotzt sich dann ein ...

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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 37
von Christian Rakow

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