Achille Mbembe. Foto: Fabian Hammerl
Negativer Messianismus und die Ethik der Konsequenzen
Ich möchte im Folgenden einige dringliche, bruchstückhafte und unfertige Gedanken über unsere globale Gegenwart mit Ihnen teilen; darüber, was unsere heutige Zeit im Kern ausmacht; was diesen eigentümlichen Moment, den unsere Welt derzeit durchlebt, beschreibt. Da es letztlich auch darum geht, unserer Zeit einen Namen zu geben, erlaube ich mir zu behaupten, dass inmitten von Furcht und Verwirrung eine Sache zumindest klar ist: Wir leben in einer Zeit «planetarischer Verflechtungen».
Weltweit hat die Kombination aus beschleunigtem Kapitalismus und der Sättigung des Alltags durch digitale und computergestützte Technologien zu einer Erhöhung der Geschwindigkeit und einer Intensivierung von Beziehungen geführt. Aber nicht nur Verflechtungen prägen unser Jetzt.
Herrschaftsmatrix Gazastreifen
Egal, wo wir hinschauen: Der Trend läuft eindeutig auf Verengung, Eindämmung und Abkapselung hinaus. Damit meine ich nicht einfach nur die Errichtung von Mauern und Festungen, Toren und Enklaven beziehungsweise unterschiedliche Praktiken der räumlichen Segmentierung oder der Abzäunung und Verlagerung von Vermögen. Ich beziehe mich hierbei ebenfalls auf eine Herrschaftsmatrix – auf Formen von ...
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Theater heute Juli 2017
Rubrik: Theater der Welt, Seite 32
von Achille Mbembe
Zwei Stücke hat Philipp Löhle bereits geschrieben, in denen er uns die normative Sozialisation eines Sohnes und einer Tochter vor Augen führte. In «Du (Normen)» und «Du (Norma)» war man Zeuge artspezifischer Lebensläufe und bis zur Kenntlichkeit entstellter Familienstrukturen. Um Familie geht es auch jetzt. Wir sehen: einen Vater, eine Mutter, den Sohn, die...
Am Schauspielhaus Zürich sind sie alle ein bisschen Matti. Brechts Titelheld, der seinen Herrn Puntila bekanntlich sicher im Studebaker von einer Eskapade zur nächsten chauffiert, neigt in Sebastian Baumgartens Inszenierung zur temporären Vervielfältigung seiner selbst. Eingangs stiert noch ein einsamer Johann Jürgens hinterm Steuer einer Holzspielzeuglimousine vor...
«Einfach ist der Kampf der Generationen sowieso nie.» Die Mutter starrt ins Leere, desillusioniert, einsam; sie hat die Vorstellung aufgegeben, Einfluss auf ihren pubertierenden Sohn zu haben. Auf ihren Sohn, der sich falsche Freunde gesucht hat, der sich radikalisiert hat, im Internet, wo auch immer, man weiß so wenig. Jedenfalls: Der Sohn hat einen Anschlag...
