Achille Mbembe. Foto: Fabian Hammerl
Negativer Messianismus und die Ethik der Konsequenzen
Ich möchte im Folgenden einige dringliche, bruchstückhafte und unfertige Gedanken über unsere globale Gegenwart mit Ihnen teilen; darüber, was unsere heutige Zeit im Kern ausmacht; was diesen eigentümlichen Moment, den unsere Welt derzeit durchlebt, beschreibt. Da es letztlich auch darum geht, unserer Zeit einen Namen zu geben, erlaube ich mir zu behaupten, dass inmitten von Furcht und Verwirrung eine Sache zumindest klar ist: Wir leben in einer Zeit «planetarischer Verflechtungen».
Weltweit hat die Kombination aus beschleunigtem Kapitalismus und der Sättigung des Alltags durch digitale und computergestützte Technologien zu einer Erhöhung der Geschwindigkeit und einer Intensivierung von Beziehungen geführt. Aber nicht nur Verflechtungen prägen unser Jetzt.
Herrschaftsmatrix Gazastreifen
Egal, wo wir hinschauen: Der Trend läuft eindeutig auf Verengung, Eindämmung und Abkapselung hinaus. Damit meine ich nicht einfach nur die Errichtung von Mauern und Festungen, Toren und Enklaven beziehungsweise unterschiedliche Praktiken der räumlichen Segmentierung oder der Abzäunung und Verlagerung von Vermögen. Ich beziehe mich hierbei ebenfalls auf eine Herrschaftsmatrix – auf Formen von ...
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Theater heute Juli 2017
Rubrik: Theater der Welt, Seite 32
von Achille Mbembe
«Einfach ist der Kampf der Generationen sowieso nie.» Die Mutter starrt ins Leere, desillusioniert, einsam; sie hat die Vorstellung aufgegeben, Einfluss auf ihren pubertierenden Sohn zu haben. Auf ihren Sohn, der sich falsche Freunde gesucht hat, der sich radikalisiert hat, im Internet, wo auch immer, man weiß so wenig. Jedenfalls: Der Sohn hat einen Anschlag...
Mai 1945. Mit der Kapitulation Hitlerdeutschlands ist auch für den faschistischen kroatischen Ustascha-Staat der Krieg verloren. Um der Rache der Tito-Partisanen zu entgehen, flüchten die kroatischen Soldaten, begleitet von ihren Familien und anderen Zivilisten, nach Norden, bis über die slowenisch-österreichische Grenze, wo sie sich den britischen Besatzern...
Am Anfang ist das Wort, das Wort hat große Buchstaben, und es heißt: AFFEKT. Gefühlte fünf Minuten lang rauschen Spinoza, Deleuze et altera in Druckbuchstaben übers weiße Feld und klären auf, was unter Affekt zu verstehen sei: das Unkontrollierbare, das den Körper unmittelbar ergreift, Furcht, Ekel, Liebe, Eifersucht ... Man darf diese akademische Einführung in...
