Achille Mbembe. Foto: Fabian Hammerl
Negativer Messianismus und die Ethik der Konsequenzen
Ich möchte im Folgenden einige dringliche, bruchstückhafte und unfertige Gedanken über unsere globale Gegenwart mit Ihnen teilen; darüber, was unsere heutige Zeit im Kern ausmacht; was diesen eigentümlichen Moment, den unsere Welt derzeit durchlebt, beschreibt. Da es letztlich auch darum geht, unserer Zeit einen Namen zu geben, erlaube ich mir zu behaupten, dass inmitten von Furcht und Verwirrung eine Sache zumindest klar ist: Wir leben in einer Zeit «planetarischer Verflechtungen».
Weltweit hat die Kombination aus beschleunigtem Kapitalismus und der Sättigung des Alltags durch digitale und computergestützte Technologien zu einer Erhöhung der Geschwindigkeit und einer Intensivierung von Beziehungen geführt. Aber nicht nur Verflechtungen prägen unser Jetzt.
Herrschaftsmatrix Gazastreifen
Egal, wo wir hinschauen: Der Trend läuft eindeutig auf Verengung, Eindämmung und Abkapselung hinaus. Damit meine ich nicht einfach nur die Errichtung von Mauern und Festungen, Toren und Enklaven beziehungsweise unterschiedliche Praktiken der räumlichen Segmentierung oder der Abzäunung und Verlagerung von Vermögen. Ich beziehe mich hierbei ebenfalls auf eine Herrschaftsmatrix – auf Formen von ...
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Theater heute Juli 2017
Rubrik: Theater der Welt, Seite 32
von Achille Mbembe
Franz Wille: Herr Vornam, Sie haben die Einstiegsgage für künstlerisch Beschäftigte von der Mindestgage, die der Tarifvertrag vorsieht – 1850 Euro im Monat – auf deutlich erfreulichere 2300 Euro angehoben. Normalerweise sind Intendanten bei Gagenverhandlungen eher knausrig, woher diese Großzügigkeit?
Axel Vornam Ich habe noch nie die absolute Mindestgage bezahlt,...
Ein Schauspieler, der in Hollywood in mehreren Serien («The Good Wife», «Gossip Girl») erfolgreich ist, erinnert sich. Er erinnert sich, wie sein Beruf einmal war. Der Schauspieler, er ist bereits im fortgeschrittenen Alter, schreibt dazu ein Theaterstück, in dem sich die Beteiligten einer Theaterproduktion, die vor zehn Jahren relativ erfolglos lief,...
Als Tankred Dorst schon fast 90 Jahre alt war, 2014, sagte er ganz nebenbei Abschließendes zu jedem überflüssigen Streit über Schauspieltheater oder Performance: «Als ich anfing, Stücke zu schreiben, zu Beginn der 60er Jahre, waren die Grenzen der Darstellung viel enger. Wenn ich mich dagegen heute umschaue, dann sehe ich eine hohe Qualität in einem freien Umgang,...
