Die mit dem Ruhm hadern

Hommage an Kurt: Christian von Treskow inszeniert Felicia Zellers «Einfach nur Erfolg» in Freiburg

Vergesst Kurt Cobain. Der Rockstar, dem in Felicia Zellers für Freiburg geschriebenem neuen Stück der übermäßige Erfolg schwer zu schaffen macht, ist ein anderer. Zwar heißt er auch Kurt wie der verewigte Leadsänger der Gruppe Nirvana (und seine Courtney heißt Courtney), und wie dieser benimmt er sich stromlinienförmig rebellisch. Drogen gehören zum Alltag wie das Gitarren- und Hotelzimmerzertrümmern, was Fanpostillen und Klatschpresse getreulich reportieren, sogar wenn nichts dergleichen vorgefallen ist.

Deswegen und überhaupt tut dieser Kurt sich selbst ziemlich leid, und am Ende schießt auch er sich mit der Flinte den halben Schädel weg.

Aber Felicia Zeller, die ihn nach Aktenlage ersonnen hat, besteht darauf, dass es sich bei dem Hauptleidtragenden in «Einfach nur Erfolg» um einen Kurt Brisbaine handele. Dessen Hauptaufgabe im Stück ist es, mit seinem Ruhm zu hadern, ohne die Grundlagen dafür plausibel machen zu müssen, während die Figuren um ihn herum Einblick gewähren in die Mechanismen von Starkult und Starverschleiß. Oder gewähren sollen. Die Rocklegende als Fall oder, wie es die Dramaturgie des Theaters Freiburg formuliert, als Metapher.

Und was lehrt sie uns, die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2005
Rubrik: Neue Stücke, Seite 55
von Dorothee Hammerstein

Vergriffen
Weitere Beiträge
Versuche in Weltverbesserung

Es hätte so schön werden können, und so gut war es gemeint: Theater für die ganze Familie! Mit A-Schauspielern, einem A-Regisseur, einer A-Autorin! Musik! Ein Klassiker, 400 Jahre alt! Und eine frohe Botschaft: Lebe deine Träume! Die Weih­nachtszeit ist ja auch nicht mehr fern, nur noch ein Vierteljahr, und in den Supermärkten liegen schon die Lebkuchen.

Dass sich...

Verabredung zum Dreh

Den Film von den Fesseln seiner jeweiligen Konventionen zu befreien, das gehört zur Geschichte dieser Kunst im Zusammenspiel mit technischen Neuerungen. Die Schritte zum Tonfilm und wenig später zum Farbfilm waren bahnbrechend. Nicht weniger die Computerisierung von Special Effects und nachfolgend ganzer Aufnahme- und Bildbearbeitungsverfahren seit Ende der...

Die Optionsbürger-Schlampe

Neuerdings sind Ibsens bürgerliche Damen ziemlich schnell mit der Knarre. Anne Tismers Nora hatte ihren Helmer vor drei Jahren an der Schaubühne so nachhaltig durchlöchert, dass er mit seinem letzten Satz im überschwappenden Aquarium landete. Susanne-Marie Wrages Hedda Gabler 2003 in Basel kugelte wie Halle Berry durchs Wohnzimmer, die Beretta nach halbem...