Frédéric Gies: «Album (Praticable)»

in Amsterdam

Er kommt aus der Nähe von Straßburg, tanzte in Paris, seit fünf Jahren lebt er in Berlin. Sein Körper ist bärenstark, seine Haltung die eines Teddys. Die Stimme bittet im freundlichen Ton um Aufmerksamkeit, der Wuschelbart federt den Eindruck von Eitelkeit ab, der Topfschnitt fügt Mitleid hinzu. Den Soloabend führt sein Assistent ein, mit Halbglatze in Malerhose als Vor-«Gruppe».

In den Berliner Sophiensälen zeigt er, welcher Ton hier gilt: der eigene schwere Atem, mit dem auch Frédéric Gies wie ein Derwisch über die leere Bühne trudeln wird, auf weißen Socken, im T-Shirt, das die berühmte Rolling-Stones-Zunge zeigt, neckisch verziert mit einem Moustache.
Der neue Mann. Er ist auf sich gestellt, er fährt das Licht selbst, er hat gelernt, «immer kreativ sein zu müssen». Zwischen jedem seiner kurzen Soli wechselt er das Schuhwerk und verrät seine Pläne, «was zwischen Autobiografie und Tanzgeschichte» machen zu wollen. Erschrocken erfährt man vom Symptom, das wie ein Virus die Szene erfasst und im Sommer als «SODA», einem Studiengang des Berliner Hochschulübergreifenden Zentrums Tanz, sein klinisches Bild erhalten soll: Viele solche Solodarsteller sollen Tanz häppchenweise zeigen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2010
Rubrik: Kalender, Seite 47
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der Lehrer

Sie waren Schüler von Sensei Nakayama, trugen das Shotokan-Karate von der Tokushoku-Universität in Japan in die Welt und entwickelten eine eigene Trainingsmethode, «Aoki Bio Energy». Das französische Sportministerium hat Sie anerkannt, der Fußballverein von Bilbao engagiert Sie, Sie sprechen bei Konferenzen vor Wissenschaftlern und Unternehmern. Kommen auch Tänzer...

Tanzplattform

Es muss schon Mitternacht gewesen sein, als eine Tanzveranstalterin sich ein Herz fasste, ein DIN-A4-Papier aus der Tasche zog und es ehrfürchtig unter dem Tisch hergab. «Das sind sie», flüsterte sie. Der Zettel notierte elf Produktionen und damals 48 Namen. Diese Produktionen seien zur Tanzplattform 2010 eingeladen. Die Namen, die noch auf 50 erhöht würden, seien...

NRW

Kathrin Tiedemann Leiterin des Forums Freies Theater in Düsseldorf, ist neu im Vorstand des NRW Landesbüros Freie Kultur. Der gemeinnützige Verein unterstützt freie Projekte mit jährlich 100.000 Euro und richtet auch in diesem Jahr wieder das Festival «favoriten» in Dortmund aus.