Patrice Bart: «Das flammende Herz»

Berlin

Tanz - Logo

Er hat etwas von einem Apoll. Im Ballett begleiten ihn vier Frauen, die das Programmheft nicht ganz grundlos als seine Musen bezeichnet. Gleich einem Gott fühlt sich Percy Bysshe Shelley frei genug, seine Liebe so zu leben, dass sie sich in seinen Gedichten zur reinsten Poesie läutert. «Vielleicht hätte er», schrieb Wolfgang Koeppen über einen der bedeutendsten Repräsentanten der englischen Romantik, auch «sein Glück erjagt, wenn er wie eine Äolsharfe die schöne und mächtige Stimme des Windes in einem Traumreich geblieben wäre.

Aber Shelley», so heißt es seinem Text «Das brennende Herz» weiter, «wollte das Leben, die Herkunft des Lebens, seinen Hingang, den Tod ergründen.» Der steht nun am Anfang eines zweiaktigen Balletts, das unter dem Titel «Das flammende Herz» an der Berliner Lindenoper in einer Inszenierung von Patrice Bart zu sehen ist.

Es ist der eigene Tod. Folglich erscheinen hinter einem durchsichtigen Vorhang schattenhaft all die Schönen, die seinen Lebensweg rekapitulieren: Als eine einzige Abfolge von Amouren, die den Zuschauer kaum einmal ahnen lassen, was den Dichter bewegt. Vladimir Malakhov hat jede Menge Ballettschritte zu bewältigen, aufopfernd, mit verzweifelter ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2009
Rubrik: Kalender, Seite 32
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Heinz Spoerli: «Lettres intimes»

«Ich bin neugierig, wie ‹Intime Briefe› wirken werden. Es ist meine erste Komposition, deren Töne durch alles Liebe glühen, was wir miteinander erlebt haben. Hinter jedem Ton stehst Du, lebhaft, unbändig, liebevoll. Der Duft Deines Körpers, die Feuerglut Deiner Küsse – eigentlich nicht – der meinen. Aber die weiche Zartheit Deiner Lippen. Meine Töne küssen Dich....

Goodbye!

Zwei Kompanien sind heute auf Tour, von denen man weiß, dass es sie sehr bald nicht mehr geben wird: Die Merce Cunningham Dance Company, die nur noch zwei Jahre lang das Erbe ihres Namensgebers weiterträgt. Und Pina Bauschs Wuppertaler Tanztheater, das im August eine Stiftung erhielt, um ihr Erbe in ein Archiv zur wissenschaftlichen Erforschung des Tanztheaters...

Do Animals Cry

Beziehungskisten sind wie Ziehharmonikas. Zeit und Raum scheinen sich in ihnen auszudehnen oder zusammenzuziehen. In ihren Zwischenräumen vergisst man die Zwischenzeit. So beschrieb es jüngst der schwedische Dramatiker Lars Norén in seinem Stück «Pur». Ein junges, schüchternes Paar bezieht eine Wohnung, die ein langer, tunnelartiger Zwischenraum zu sein scheint,...