Stichprobe: ein Opernprojekt
Spät singt er, doch er singt. Erst als er Penelope endlich nach zwanzigjähriger Irrfahrt gegenübertritt, findet Odysseus seine Stimme wieder. Die ganze «Odyssee» über verschlägt es ihm die Sprache. Statt seiner agieren acht Tänzer. Die Tänzer sind «eine Art Resonanzkörper», sagt Reinhild Hoffmann, die das Stück «Ein Atemzug» von Isabel Mundry an der Deutschen Oper Berlin uraufgeführt hat.
«Ein Atemzug» ist über Jahre hinweg in enger Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten entstanden – als eine «Choreografie der Klänge», die sich nicht im Orchestergraben oder auf der Bühne erschöpft, sondern auch Logen und Ränge als Aktionsorte erschließt. Von überall her ertönt Musik, und weil sich Penelope inmitten des Publikums positioniert, gewinnt ihr Atem, einzig und allein von einem Akkordeonspieler begleitet, geradezu physische Präsenz.
Zum Raum wird so Musik, und Reinhild Hoffmann füllt ihn auf choreografische Weise. Das Meer: ein paar wogende Tänzer auf einer bis zur Brandmauer aufgerissenen Bühne. Die Freier, die Penelope bedrängen: ein Ensemble grotesk vermummter Gestalten, die ihr Macho-Gehabe auf einer Rampe gestisch ausspielen.
Die Begegnung mit den Lotophagen, die Zeit mit Kirke, der ...
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