Raus aus der Routine

Eine Konferenz in Amsterdam sondiert Chancen und Risiken des Balletts im 21. Jahrhundert: Was soll warum geerbt und vererbt werden – und wie kommt es auf die Bühne?

Yuri Fateyev ist ein betont höflicher Zeitgenosse. Der Russe spricht beherrscht, klar, auf den Punkt, und seine Botschaften sind unmissverständlich: «Niemand macht uns das ‹Königreich der Schatten› nach – keine andere Kompanie!» Mit «uns» ist das Sankt Petersburger Mariinsky-Ballett gemeint, dem Fateyev vorsteht, mit dem «Königreich der Schatten» die 32-köpfige Serpentine en arabesque aus «La Bayadère». Alles in allem lautet die Message: «Da kann uns keiner das Wasser reichen.

» Ob wahr oder nicht, Tatsache ist: Auch in der Welt des Balletts sind Alleinstellungsmerkmale wichtig fürs Geschäft. Zumal es immer weniger davon gibt. Seit Jahren wird die stilistische Monokultur der Exzellenz-Kompanien beklagt, und das globale Klassiker-Repertoire besteht aus: dem x-ten «Nussknacker», dem x-ten «Dornröschen», dem x-ten «Schwanensee», ergänzt um «Giselle», «La Sylphide», «Don Quixote», «Coppélia», «La Bayadère», «Paquita» plus eine Handvoll Highlights des 20. Jahrhunderts, von «Sacre du prin-temps» über «Apollo» bis William Forsythes «The Vertiginous Thrill of Exactitude». Der sogenannte «Kanon» des Balletts, er beinhaltet vielleicht zwei bis drei Dutzend Evergreens. Das ist ein winziger ...

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Tanz April 2017
Rubrik: Traditionen, Seite 54
von Dorion Weickmann

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