Così fan tutte

Anne Teresa De Keersmaeker choreografiert an der Pariser Oper Mozarts Liebeskomödie als gruppentherapeutische Veranstaltung.

Man sieht es und staunt nicht. Die Bühne ist leer. Viel Weiß um Nichts: jede Menge Platz zum Tanzen. Links und rechts hängende Begrenzungen aus Plexiglas. Das sichert Transparenz, einen Hauch Eleganz strahlt es auch aus. Aus dem Schnürboden fallen Lamellen, selbstredend persilfarben. Die Welt so rein. Das Pure der Subjekte (Objekte der Begierde?) scheint gesichert. Wie die Unschuld der Musik. C-Dur, das erklingt ja immer dann, wenn gestrahlt oder gejubelt oder gefeiert oder alles zusammen getan wird.

Aber was sehen dann unsere verwirrten Augen, kaum ist die Ouvertüre beendet? Von hinten stampft, energischen Schrittes, die gesamte «Così-fan-tutte»-Belegschaft nach vorn, beinahe militärisch, um sich in einem Halbkreis aufzustellen und parallel zur Musik die Nacken, die Köpfe, die Gliedmaßen und wer weiß was sonst noch alles zu dehnen und zu zerstreuen. Schon stellt sich bang die eine Frage: Soll das hier eine Gruppentherapie werden? Oder suchen sechs Personen nur ihr jeweiliges Spiegelbild? Den Anderen in sich? Das Andere schlechthin?

Schattentänzer

Nun, nicht ganz. Philosophisch wird der Abend nie, zum Glück. Aber seltsam, aus der Welt hinaus gehoben, ist es schon, dieses erste Bild. ...

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Tanz März 2017
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Jürgen Otten

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