Die Hoffnungsträger

Elisabeth Bakambamba Tambwe

Diese Künstlerin hat den Mut, die Getriebenheit und den Scharfblick, die in Zeiten wie diesen gebraucht werden. Elisabeth Bakambamba Tambwe, geboren 1971 in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa, ist seit 2007 Wienerin. Bis vor fünfzig Jahren hieß Kinshasa nach dem belgischen König Leopold II. noch Léopoldville. Der Herrscher hatte sich seinen «Freistaat Kongo» von 1885 bis 1908 als Privateigentum gehalten, das er gewaltsam ausbeutete.

Über den Kongo sagt Tambwe: «Der Kolonialismus und die Diktatur haben sich auf das Denken der Menschen ausgewirkt.

Man muss erst einmal den Geist entkolonialisieren, bevor man den Körper in seine Autonomie entlassen kann. Der Geist muss die Freiheit suchen, um fähig zu sein, sich seinen eigenen Freiraum zu schaffen.» Das Thema Kolonialismus zieht sich in mehreren Schichten durch Tambwes Werk, das auf jegliche didaktische Biederkeit verzichtet. Stattdessen führt sie starke Bilder, intensive Körperlichkeit und immer wieder auch Witz und absichtliche Peinlichkeit in assoziativen Situationen zusammen.

Am Beginn ihrer Laufbahn stand die Bildende Kunst, nicht der Tanz. Ihn entdeckte sie nach ihrem Bildhauerstudium in Frankreich, wohin sie bereits als Kind ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Die Saison 2015/16, Seite 174
von Helmut Ploebst

Weitere Beiträge
Raimund Hoghe

Grenzgänger. Zum Beispiel Yaguine Koita und Fodé Tounkara, 14 und 15 Jahre alt, geboren in Guinea, im Sommer 1999 umgekommen bei dem Versuch, als blinde Passagiere im Fahrwerk eines Flugzeugs nach Europa zu gelangen. Bei sich hatten die beiden Jungen aus Conakry einen handgeschriebenen Brief an «Exzellenzen, geehrte Damen und Herren, Verantwortliche von Europa»....

Die Hoffnungsträger

«Good job!», lobte ihn William Forsythe für seine Improvisation in «Approximate Sonata». Das war 1997, Eric Gauthier war erst ein Jahr beim Stuttgarter Ballett und schon ein Publikumsliebling. Knapp zwanzig Jahre später ist dem charismatischen Kanadier in Stuttgart eine Art zweites Ballettwunder geglückt: Er hat für sich und das 2007 von ihm gegründete Ensemble...

Choreograf des Jahres

Einen «Schwanensee» von ihm hätte jedes Theater mit Kusshand genommen. Das Ballett Zürich hat ihn gekriegt: aus schriftlichen Quellen minutiös rekonstruiert und dennoch ganz und gar heutig. Derzeit bringt kein anderer Choreograf diese Zaubermischung zustande

Es ist weit nach 20 Uhr, als Alexei Ratmansky zu unserem verabredeten Gespräch in der Kantine des Opernhauses...