Der Lehrer: Manuel Liñán

Sie sind Mitte dreißig und leben und arbeiten in Madrid. Wie definiert sich Ihre Beziehung zur Tradition des Flamenco?
Ich lernte in strikt traditionellem Rahmen, ging von Kind an in Flamencoschulen und wuchs im Ambiente von peñas flamencas, tablaos, tertulias etc. auf. Meine Beziehung zum Flamenco ist allumfassend, und er bietet mir eine ganze Palette von Ausdrucksmöglichkeiten, um mich als soziales Wesen zu verwirklichen. Aber manchmal gefällt es mir auch, mit der Tradition zu kokettieren.

Ich habe auch immer den Dialog mit anderen Formen des Tanzes gesucht, von Ballett bis Hip-Hop und anderen zeitgenössischen Stilen. Künstler sein heißt, ständig Neues und anderes zu entdecken, um seine Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern – ohne die Wurzeln zu vergessen. In meinem Stück «Nomada», das ich vor Kurzem in Jerez aufgeführt habe, trage ich zum Beispiel ein Frauenkleid mit bata de cola, dem Tellerrock, und Dreieckstuch, was bis dahin Frauen vorbehalten war.

Sie tanzen, im Gegensatz zu anderen, eher gelöst. Ihr Stil lässt ein Gefühl von Freiheit entstehen und vermittelt, etwa in «Sinergia», einem Solo mit Musikern und Sängern, den Eindruck, dass Sie den Flamenco tanzend  ...

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Tanz Juni 2014
Rubrik: praxis, Seite 74
von Thomas Hahn

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