st. gallen Marco Santi: «Die Stunde da wir nichts voneinander wussten»

Was vor 21 Jahren als kleiner Skandal das Wiener Burgtheater erschütterte, erscheint heute als Vorwegnahme des aktuellen, stark körper- und aktionsbetonten Regietheaters. Peter Handkes Experiment «Die Stunde da wir nichts voneinander wussten» ist ein Schauspiel ohne Sprache und zeigt Momentaufnahmen anonymer Menschen, die einen Platz überqueren.

Vielleicht war das Stück schon immer für die Hände eines Choreografen bestimmt, vielleicht lässt erst der Tanz die surreale Poesie aufblühen, die Handke in all dem Huschen, Staksen, Lustwandeln, Stepptanzen oder Um-sich-selbst-Drehen versteckt hat, das er auf 60 Seiten Regieanweisungen von seinen Passanten verlangt. Diesen assoziationsreichen Schwebezustand erreichen der St. Gallener Tanzdirektor Marco Santi und sein Ensemble zunächst ganz leicht, was sicher auch an der jazzig-rhythmischen Wohlfühlmusik liegt.

Zwei bestens aufspielende Straßenmusiker, Roderik Vanderstraeten und Sasha Shlain, steuern sie aus der linken Bühnenecke bei, durchsetzt von traurigen Sopran-Vokalisen und einer Händel-Arie. Mit der Naivität eines Clowns neigt sich die Inszenierung immer wieder sanft dem Zirkus zu, entgleist auch ein-, zweimal zur Revue. Noch immer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 57
von Angela Reinhardt

Weitere Beiträge
mannheim: Kevin O'Day: «Othello»

José Limón braucht mit «The Moor’s Pavane» gerade mal 20 Minuten, um eine ganze Tragödie aufzuzeigen. John Neumeier lässt seinem «Othello» immerhin zweieinhalb Stunden Zeit, die Pause eingerechnet, damit er Fuß fassen, besser gesagt: damit er straucheln kann. Kevin O’Day macht es am Mannheimer Nationaltheater etwas kürzer.

Nach «Hamlet» (2008 in Stuttgart) und...

medien

historie_________

tanz im kalten krieg

hat Konjunktur, zumindest bei englischsprachigen Autoren. Rebecca Kowal verknüpft Tanzhistoriografie, American Studies und Performance-Theorie anhand der Werke zehn amerikanischer Choreografen. So gibt Anna Sokolows «Rooms» von 1955 Aufschluss über die Vereinsamung moderner Großstädter, ebnen Merce Cunningham und Paul Taylor...

Tanzschulen

Bad Soden
Ballettschule Ulrike Niederreiter
Dipl. Ballettpädag. Ballett/Jazz/Modern/Charakter/tänzerische  Früherziehung. Ausbildung bis zur Akademiereife. Ballettmärchen. An der Trinkhalle 2B, D-65812 Bad Soden/Ts.,
Tel. +49-6196-228 49 www.ballett-badsoden.de

Bamberg
Tanzwerkstatt
Stätte für Zeitgenössischen Tanz
Nürnberger Straße. 108 k, D-96050 Bamberg, Tel....