fallbeispiele

«Sacre» von Laurent Chétouane und James Wilton

laurent chétouane_________
sacré sacre du printemps

Schon mal gar nicht die Männer hier, die Frauen dort, oder dass jemand tot daliegt am Ende. Darüber sind wir hinaus. Laurent Chétouane gewährt uns lieber einen Blick auf ganz unwuchtige, gebildete, taktvolle und jeglicher Raserei abholde Zeitgenossen.

Sein choreografischer Stil der anstrengungslosen Bewegung, die seinen Protagonisten zu geschehen scheint, bekommt dabei einen komischen Beiklang, so auffällig anders sieht das aus als bei Nijinsky und dem, was nach ihm üblicherweise mit großen Emotionen übers Opfern choreografiert wird. Der gelernte Theaterregisseur Chétouane inszeniert mehr heutige, ritual-ähnliche Gruppen-Gepflogenheiten. Da sagt keiner: Hier geht’s lang, alle mir nach! Sondern: Also, ich fänd’s mal schön, wenn wir ... Fünf Leute mit bemalten Gesichtern raffen sich ohne Eile zusammen und basteln an Entscheidungen. Sie verhandeln ständig miteinander, auf zum nächsten Schritt, dem Fortschritt, dem Glück (denn manchmal schweben sie auf Zehenspitzen wie in einer Utopie herum). Einmal richten sie sich sogar ans Publikum.

Die Tänzer wirken, als redeten sie beim Armeheben und Kniebeugen, vermeiden aber alle klischeehaften ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2013
Rubrik: le sacre du printemps, Seite 11
von

Weitere Beiträge
krabat

Krähen krächzen anders. Aber Vogelgezwitscher der etwas sanfteren Art könnte Peteris Vasks tatsächlich zum vierten Satz seines Streichquartetts Nr. 3 inspiriert haben, mit dem Demis Volpi in Stuttgart sein abendfüllendes Ballett eröffnet. Kaum hörbar erklingt Vasks’ Musik, unwirklich schön, und nichts kann den Schlaf der elf Raben offenbar stören. Wie auf einer...

luftdicht

Niemand kann Nicky anfassen. Sie ist da für sich, wie hinter Glas, gesehen durch eine Linse, betrachtet im Viereck des Films auf einer Wand des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt. Nicky hört Musik, wir auch, wahrscheinlich dieselbe, so ein elektronisches Tuckern, künstliche Herzschläge, mit einlullendem Überbau und einer Süßstoffstimme, waiting for a man, come...

der goldene schuh: serie: tanz-mode

Statistisch gesehen, kauft jeder Bundesbürger vier Paar Schuhe pro Jahr – die Damen eher mehr, die Herren eher weniger. Ballett-Tänzerinnen indes verbrauchen vier Spitzenschuh-Sets häufig schon binnen zwei Wochen. Und wer meint, den Kunstinstrumenten sei mit der Alltagsdevise «aussuchen, reinschlüpfen, fertig» beizukommen, ist falsch gewickelt. So ein Spitzenschuh...