zürich: McGregor, Spuck, Goecke: «Notations»

Anders als sein Vorgänger gibt Christian Spuck in Zürich nicht den einsamen Solitär, sondern sucht als Ballettdirektor den Schulterschluss mit der freien Szene: Die drei Uraufführungen eröffneten gleichzeitig das gesamtschweizerische Tanzfestival «steps». Das Ballett Zürich indes entwickelt sich zu einer Art Stuttgart 2.0, mit ganz ähnlich zusammengestellten Abenden, oft von Spucks früheren Stuttgarter Choreografen-Kollegen bestückt.

Erstaunliches vollzieht sich in «Kairos», denn der intellektuelle Bewegungsextremist Wayne McGregor findet zurück zur Klassik, von der er nie herkam.

Der endlose, kaum akzentuierte Bewegungsfluss seiner letzten Stücke verdichtet sich hier zu raffinierter, oft rasanter Dynamik, die früher vereinzelten Tänzer ordnen sich in Linien und Strukturen – es erinnert manchmal fast an Heinz Spoerli. Zwischen Stroboskopblitzen und Resten seines coolen, distanzierten Idioms entdeckt der Choreograf die Reinheit des akademischen Vokabulars und wirkt fast verblüfft darüber. Wie so oft spiegelt der Tanz bei McGregor eine musikalische und bühnenbildnerische Versuchsanordnung wider: Der deutsch-britische Komponist Max Richter überführt Antonio Vivaldis «Vier ...

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Tanz Juni 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 50
von Angela Reinhardt

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