Zeichen
«Alle wissen’s», heißt es einmal im Stück, «Everybody knows». Es gibt nichts, was nicht bereits gewusst wird, alles ist schon begriffen: Umwelt, Klima, Achtsamkeit, Nachhaltigkeit, Klassismus, Rassismus, Diversität. Es gibt kein Unwissen. Vielmehr gibt es zu allem immer noch eine Haltung und Meinung. Und schon weiß niemand nichts mehr. Doch auch das ist eine Form von Wissen.
Wir leben im «Age of Content».
Das bedeutet nicht «Zeitalter des Inhalts», meint das dreiköpfige Kollektiv, das seit 2019 das Ballet national de Marseille anführt, vielmehr nennt sich jede nur auffindbare Äußerung im Netz bereits Content: jede Fotografie, Meinung und Selbstdarstellung. Inhalt ist alles. Und gleichzeitig nichts. Damit läutet «Age of Content» programmatisch das Ende jenes Theaters ein, das etwas «zu sagen hat». Der Abend erlaubt es sich, das Ende jener Sorte von Bedeutungshuberei auszurufen, die jede Tanzkompanie von sich selbst behaupten muss, um zur Erlangung von Steuermitteln in ihre Anträge bei der Politik das reinzuschreiben, was immer alle schon wissen: irgendwas mit Umwelt, irgendwas mit Klima, Achtsamkeit, Nachhaltigkeit, Klassismus, Rassismus, Diversität … Das machen selbst die Festivals ...
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Tanz Oktober 2023
Rubrik: Produktionen, Seite 14
von Arnd Wesemann
Das Jahrbuch tanz
Schicksalsjahr für den Tanz: 1973 stirbt der Choreograf John Cranko, Spiritus rector des Stuttgarter Ballettwunders, während Pina Bausch und John Neumeier in ihre immens erfolgreichen Direktionen starten. Was war, was ist, was wird? Danach fragen wir im Jahrbuch «Cranko, Bausch, Neumeier» Künstler*innen, Zeitzeug*innen – und Junior*innen. Und...
CD des Monats
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DOPPELSTART
Jahrelang waren die Berliner Festspiele gleichsam tanzfreie Zone. Mit dem neuen Chef Matthias Pees ändert sich das glücklicherweise – und zum Einstieg gleich zweifach: Steven Cohen und Dimitris Papaioannou reisen im Oktober an. Als erstes gastiert der südafrikanische Künstler mit «Put your heart under your feet… and walk!», einer Hommage an...
