Yasmeen Godder: «Love Fire»
In ihrem neuen Stück «Love Fire», das am Suzanne Dellal Centre for Dance and Theatre in Tel Aviv herauskam, überrascht die Choreografin Yasmeen Godder mit einer ganzen Sammlung an Walzern: von Johann Strauß über Jean Sibelius und Dmitri Schostakowitsch bis zu Aram Chatschaturjan. Der Walzer, sein romantischer Gestus der Gefühligkeit, soll einen – wir ahnen es bei Godder – auf eine falsche Fährte führen.
Wie Zuckerzeug klebt sie die Musik so hintereinander, wie sie zu Beginn Fetzen von Fellstücken auf ein altbekanntes T-Shirt näht, das der Tänzer Eran Shanny schon in ihren letzten Stücken trug. Man möchte Godder für eine Hausfrau aus der Vorstadt halten mit ihren verfransten Haaren, dem karierten Baumwollkleid über der Trainingshose und knallroten Plastikschuhen. Das Nadelkissen am Gelenk, mit einer großen Schere in der einen Hand, schiebt sie die Nadel mit der anderen immer wieder durch Fell und Stoff. Sie hat alle Macht der Zeit.
Godder, als Performerin, signalisiert den Spott, der das aufkommende Drama begleitet; man sieht, wie sie ihren nächsten Zug vorbereitet. Auch Shanny riecht die Gefahr. Aus dem unschuldigen Nähen erwachsen Angriffe. Bewaffnet mit der großen Schere, fallen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Deutschland
Augsburg
Theater
Gaetano Posterino choreografiert eine «Strawinsky-Trilogie»: «Pulcinella», «Les noces« und «Die Geschichte vom Soldaten». Komödie, 6. Febr.
Berlin
ada
«Corporeal Correspondence 2» und «Anything is Permitted to Us», Duette von Andrew Wass und Kelly Dalrymple-Wass. 13. Febr.
Dock 11
«Water in my solo» von Caroline Bo, die in ihrem Tanzstück...
Ratten stehen nicht unbedingt im Ruf, besonders gehorsame Wesen zu sein. Aber setzt man ihnen eine kleine Apparatur auf den Kopf, die ihre Neuronen stimuliert, werden sie so fügsam wie junge Tänzer im Ballettsaal. Senden Wissenschaftler elektronisch einen Befehl aus, erregt dieser ein bestimmtes Hirnareal, und die Ratte läuft nach rechts. Freiwillig, denn für...
Am 13. Juli wird Anna Halprin, die amerikanische Wegbereiterin des postmodernen Tanzes, 90 Jahre alt. Von ihr stammt die Idee der kollektiven Improvisation, für sie ist die Grenze zwischen Tanz, Kunst und Therapie fließend, für sie wurde Tanz ein Mittel zur «Wiederentdeckung der eigenen spirituellen Identität», für sie muss Tanz fließend, unmittelbar und vor allem:...
