Wunder und Wunden
Zwei Dutzend Schul-Zwergerl, vielleicht sieben, acht Jahre alt, drängeln sich vor der weißen Flügeltür im Parterre des Wiener Theatermuseums. Draußen lässt der bleigraue Himmel eine Träne nach der anderen aufs Trottoir platschen, ein riesiger Menschenstrom wälzt sich durch die Stadt – «hörst, den Niki Lauda ham‘s drüben im Stephansdom verabschiedet». Verkündet am Kaffee-Automat ein Besucher seiner Begleiterin, die das Gebräu mit einem Seufzer hinunterkippt.
Derweil ein Zwergerl nach dem anderen hinter der mysteriösen Tür verschwindet – um in die Tiefe zu sausen, dank der wahrscheinlich einzigen Museumsrutsche weit und breit. Auf dem Allerwertesten rutschen die Kinder ins Kellergeschoss, zum Studiertrakt, zwecks Nachbereitung dessen, was sie gerade besichtigt haben: Fotos und Plakate und ein nachtschwarzes, hochgeschlossenes Kleid, auf dessen Glockenrock goldene Fächerblüten schimmern. Getragen hat es -Rosalia Chladek (1905 – 1995), eine der zielstrebigsten Neuerinnen des Tanzes. Streng in Sachen Arbeitsmoral, strikt in punkto künstlerische Ansichten, blieb die gebürtige Brünnerin bis ins hohe Alter eine herbe Schönheit. Eine nachdenkliche, zwiespältige Persönlichkeit, deren ...
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Tanz Juli 2019
Rubrik: Traditionen, Seite 54
von Dorion Weickmann
Bloß kein Handlungsballett. Luca Veggetti choreografiert zwar zu Arnold Schönbergs sinfonischer Dichtung «Pelleas und Melisande», die auf Maurice Maeterlincks symbolistischem Schauspiel basiert. Selbst den Titel «Am Ende unser Schatten» entnimmt er der dramatischen Vorlage, aber die handlungstragende Dreiecksbeziehung ist in die Abstraktion verschoben....
Der Oscar der Tanzwelt ging in diesem Jahr an eine Reihe hierzulande besonders vertrauter Namen: Zürichs Ballettchef Christian Spuck wurde für seine Choreografie «Winterreise» (tanz 11/18) ausgezeichnet, Elisa Carrillo Cabrera vom Berliner Staatsballett für die Verkörperung der weiblichen Titelrolle in Nacho Duatos «Romeo und Julia», ihre Kollegin Anna Laudere vom...
Medusa, einst die schönste der Gorgonen, schließlich verflucht von Athene, muss Schlangen als Haartracht tragen und jeden, den sie erblickt, unwillkürlich in Stein verwandeln. Der Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui bereitet den mythologischen Stoff für ein zeitgenössisches Ballettpublikum auf und untelegt ihn mit (von Olga Wociechowska elektronisch erweiterten)...
