Worte – zu spät

Tarek Assam: «Jagos Frau» in Gießen

Tanz - Logo

Emilia schweigt. Umso beredter ist ihr Körper. ­Immer wieder bäumt er sich auf, wie von einer Last  befreit. Doch die leidvolle Erfah­rung sitzt tiefer, als Emilia ahnt. Ihre Arme sind in ständiger Bewegung. Sie greifen ins Leere, finden keinen Halt, kreisen umsonst. Verzweifelt sackt «Jagos Frau» in sich zusammen, und ist schnells­tens wieder auf den Beinen. Desdemonas Tod ­lässt sie nicht zur Ruhe kommen. Wie eine fixe Idee ruft sich Emilia das ­Ereignis ins Gedächtnis, ohne sich seine Konsequenz erklären zu können.


So oft sie ihre Erinnerung wie ein Puzz­le zusammensetzt: das Bild, das sich ergibt, bleibt bruchstückhaft, solang Jago seine Machenschaften nicht eingesteht.
Nicht Jago, nicht Othello, schon gar nicht Desdemona stehen im Mittelpunkt des neuen «Tanzstücks». Stattdessen entwickelt Tarek Assam, von seinem Kollegen Ri­chard Weber beraten, am Stadttheater Gießen «die Fiktion über eine Frau, die bei Shake­speare zu spät zu Wort kam» – was nichts anderes heißt, als dass er seine Geschichte assoziativ entstehen ­lässt. Zwischen Äpfeln, die den Boden und einen Tisch bedecken, winden sich die ­Frauen. Bis es zum ers­ten Auftritt der Männer kommt, dauert es eine Weile. Gehetzt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2005
Rubrik: On Stage, Seite 42
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
A stream of sharp lines

Choreographer Nanine Linning is known for her often strong compositions and striking lighting designs. Alongside her work with the Scapino Ballet Rotterdam she continues to produce choreographies with her own foundation, Pipsters, for smaller theatres, including 2003‘s performance “Karpp?“ for dancers Iris Reyes and Mirjam ter Linden. This powerful but delicate...

Dame Alicia Markova is dead

Alicia Markova was one of the greatest ballerinas of the twentieth century and her career is already perceived as one of the most significant in the history of dance. She was the last living link to Serge Diaghilev and her passing marks the end of an era. Born Lilian Alicia Marks on 1st December 1910 she was a child star at the age of 10 and joined Diaghilev‘s...

Bühne besetzt!

Ein schwar­zes Loch gähnt auf der Bühne der Halle G des Wiener Tanzquartiers, eine Black Box als Überbleibsel des Stücks «Quando l’uomo principale è una donna» von Jan Fabre, in dem die Tänzerin Lisbeth Gruwez sich wenige Tage zuvor wie eine heiß gelaufene Ölsardine in kaltgepresster Olivenschmiere gewälzt hat. Gruwez ist bereits weiter nach Barcelona gereist....