Worte – zu spät

Tarek Assam: «Jagos Frau» in Gießen

Emilia schweigt. Umso beredter ist ihr Körper. ­Immer wieder bäumt er sich auf, wie von einer Last  befreit. Doch die leidvolle Erfah­rung sitzt tiefer, als Emilia ahnt. Ihre Arme sind in ständiger Bewegung. Sie greifen ins Leere, finden keinen Halt, kreisen umsonst. Verzweifelt sackt «Jagos Frau» in sich zusammen, und ist schnells­tens wieder auf den Beinen. Desdemonas Tod ­lässt sie nicht zur Ruhe kommen. Wie eine fixe Idee ruft sich Emilia das ­Ereignis ins Gedächtnis, ohne sich seine Konsequenz erklären zu können.


So oft sie ihre Erinnerung wie ein Puzz­le zusammensetzt: das Bild, das sich ergibt, bleibt bruchstückhaft, solang Jago seine Machenschaften nicht eingesteht.
Nicht Jago, nicht Othello, schon gar nicht Desdemona stehen im Mittelpunkt des neuen «Tanzstücks». Stattdessen entwickelt Tarek Assam, von seinem Kollegen Ri­chard Weber beraten, am Stadttheater Gießen «die Fiktion über eine Frau, die bei Shake­speare zu spät zu Wort kam» – was nichts anderes heißt, als dass er seine Geschichte assoziativ entstehen ­lässt. Zwischen Äpfeln, die den Boden und einen Tisch bedecken, winden sich die ­Frauen. Bis es zum ers­ten Auftritt der Männer kommt, dauert es eine Weile. Gehetzt ...

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Tanz Februar 2005
Rubrik: On Stage, Seite 42
von Hartmut Regitz

Vergriffen
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