Shiva tanzt in der Garage

In jeder Großstadt der Welt kann man den Bharata Natyam lernen. Von Inderinnen, die gute Lehrmeisterinnen sind. Aber nirgendwo ist es so authentisch, spannend, hart und bereichernd wie in Indien selbst.

Bangalore, Südindien. Es ist 18 Uhr, kurz vor Sonnenuntergang, die Zeit der Rushhour. Das urbane Chaos verdichtet sich ins Unerträgliche. Die Luft ist geschwängert von den Abgasen der Auto-Rikschas, dem herben Odeur der omnipräsenten Kuhfladen und den Gewürzwolken von Talis, Masala Dosas und Biryanis, die an jeder Ecke in winzigen Fastfood-Restaurants serviert werden. Kurz vor dem Minerva Circle, einem der mörderischsten Verkehrsknotenpunkte der 6-Millionen-Stadt, geht’s links in eine ruhige Querstraße.

Durch die Autohupen und das Geschrei der Gemüseverkäufer, die ihre Ware auf hölzernen Handwägelchen anpreisen, klingt, wie die Ahnung einer anderen Welt, das hölzerne Schlagen eines Tala-Sticks, der den Sieben-Achtel-Takt eines klassischen karnatischen Musikstücks vorgibt. Ein niedriges Einfamilienhaus, eine weiß gestrichene Garage mit Wellblechdach, die mehrmals am Tag zum Tanzstudio umfunktioniert wird.
Das Innere des mit Neonröhren erleuchteten Raums ist nur schwer mit dem in Einklang zu bringen, was sich der Besucher aus dem Westen unter einer der renommiertesten Bharata-Natyam-Schulen Südindiens vorstellt. Von den Garagenwänden blättert der Putz. Auch der rot gestrichene Boden ...

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Tanz August/September 2005
Rubrik: Workshop, Seite 96
von Frank Weigand

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