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Willy Prager: «The Victory Day»

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wien: willy prager «the victory day»

Beim DDR-Dramatiker Heiner Müller begann der Aufstand als ein Spaziergang «gegen die Verkehrsordnung während der Arbeitszeit». Bei Willy Prager beginnt der Aufstand am Tag des Sieges über längst vergangene Feinde. In Bulgarien, wo Prager aufwuchs, gab es diesen revolutionären Feiertag mit eigens komponierten Schlagern.

Fröhlich tritt er aus den Zuschauerreihen, lädt das Publikum zum Mitklatschen ein, bittet es aufzustehen, den rechten Arm zu heben, die Faust zum Herzen zu führen, und ihm in lustigem Englisch nachzusprechen: «I swear to not tell anyone what I will see and hear here».
Prager hat den Lacher auf seiner Seite, weil er den Volksaufstand – in der Türkei, in Ägypten, in Tunesien – heimtückisch mit dem Vorwurf verwechselt, jede Revolte beruhe auf der Verschwörung einer Minderheit. Auch in den Berliner Sophiensälen zu den «Tanztagen» sind wir die Minorität, die an Blockupy, Arabolution, heute auch an die Istanbuler occupgezi denkt. Zugleich starrt man auf eine seltsame Choreografie der Koreanerin Jee Ae Lim, die im Hintergrund unablässig ihre Füße auf Kante kippt und mechanisch die Arme hebt – es ist kaum ein Bild des Sieges oder einer ...

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Tanz Juli 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 48
von Arnd Wesemann

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