wien: «speak low if you speak love»

wim vandekeybus «speak low if you speak love»

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«Speak low if you speak love», empfiehlt das neue Werk von Wim Vandekeybus – und zitiert damit Shakespeares «Viel Lärm um nichts». Bei Vandekeybus bedeutet leise von der Liebe zu sprechen, dass das Gesagte vielleicht Unsinn ist oder zu intim für Gebrüll. Oder «low» meint «niedrig», und die Liebe verweigert jeden Höhenflug. Beim Zuschauen fühlt man sich jedenfalls wie der Tänzer, der zu Beginn ein Seil ins Publikum wirft und immer wieder ein leeres Ende zurückzieht. Kein Fisch, kein Fang.

Wo ist die Liebe? 

Zu Beginn sind die Akteure blind, gesichtslos, unfertig, roh, mit Tüchern über den Köpfen. Sie fassen einander am Hals, treten, zappeln, klettern einer auf den anderen. Rennen, klammern, schleppen. Die Gruppe verwirbelt im Sturm. Bodenständiger ist die Sängerin Tutu Puoane, sie tritt auf und ab wie eine Mutter Erde, mit ironischer Krume. Aus einem baby-großen Brotlaib kullern Münzen, alle gieren danach. Schubsen, grapschen, zerren. Eine Männerhand auf einem Frauenbauch, ihr Kopf dann an seinem Bauch, er schraubt sie zu Boden. Das Tierhafte bricht sich manchmal Bahn, Arme werden wie Stierhörner vor den Kopf gestreckt oder zur Seite wie Flügel. Der erste Tänzer, der sehen darf, ...

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Tanz Juli 2016
Rubrik: kalender und kritik, Seite 48
von Melanie Suchy

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