Wer träumt von wem?

Tanz ist nicht Werbung. Sondern Kunst. Kunst will mit Marketing nichts zu tun haben. Aber jeder will ein volles Haus. Kein Widerspruch, sagt Nadja Kadel

Tanz - Logo

Rückgang der Besucherzahlen, Konkurrenz und knapper werdende Finanzen zwingen auch Ballettkompanien, sich mit dem Thema «Marketing» zu befassen. Was in amerikanischen Theatern seit je gang und gäbe ist, stößt in Europa noch immer auf Misstrauen: Gelten in der Kultur nicht andere Werte als die ökonomischen? Führt Marktorientierung nicht zum Abbau künstlerischer Ansprüche? Werden meritorische Güter reduziert auf zu vermarktende Kulturprodukte?
Die Antwort ist nein. Ein Ballett muss nicht zum Multimediaspektakelevent werden. Denn auch sonst wird ein Programm beworben.

Werbung und Reklame, Data-Base-Marketing und eine effektive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bleiben so unerlässlich wie bisher. Denn es wird nicht die künstlerische Arbeit verändert. Veränderbar ist allein die Einstellung von einer «beamteten» Organisationszentrierung hin zur Besucherorientierung. Weil man in einer Stadt wie Berlin an einem Abend zwischen mehreren hundert Veranstaltungen auswählen kann, ist es unerlässlich zu fragen, warum der Besucher sich ausgerechnet für die Ballettvorstellung X entscheiden sollte.
In vielen Fällen sind es nicht die Aufführung oder das Ensemble, sondern viel banalere Gründe, die zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2005
Rubrik: Das Image des Tanzes, Seite 33
von Nadja Kadel

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der 5. Deutsche Produzentenpreis für Choreografie

Der 5. Deutsche Produzentenpreis für Choreografie, dotiert mit 75 000 Euro, geht an den gebürtigen Brasilianer Rodolpho Leoni, 41. Erstmals wurden – nach Jo Fabian, Raimund Hoghe, Rui Horta und VA Wölfl – die Produktionsgelder aufgrund einer Bewerbung vergeben. In den letzten Jahren hinterließ Leoni einen starken Eindruck beim Ballett Nürnberg mit «Garatéia...

Ein Brief aus Stockholm

Stockholm im Dezember: Es ist kalt, aber strahlend blauer Himmel, klare Luft, eine ferne, blasse Wintersonne. Am Konzerthaus sammeln sich die Menschen, um die Anfahrt zur Nobel­preis­feier zu beobachten: 1700 geladene Gäste in Frack und Abendkleid. Diplomaten können bis zur Treppe vorfahren, die anderen müssen zu Fuß dorthin, die Königliche Familie benutzt einen...

Transitions

Er war der geborene James, groß ge­wachsen, gut aussehend und einem echten schottischen Adelsgeschlecht entstam­mend. Seinen dunkelgrünen Kilt trug Alan Jamison-Beale später bei festlichen Anlässen geradezu demonstrativ, aber von der Bühne hat er sich nach einem schweren Unfall bereits 1964 zurückziehen müssen, bevor er in «La Sylphide» seine differenzierte...