Warum Kinder tanzen

Es ist das Desinteresse an den Kindern, das ihnen die Freiheit raubt, sich wie Kinder verhalten zu dürfen. Sagt Alan Brooks. Und lässt Münchner Schüler aus Leidenschaft über ihre Verhältnisse tanzen

Es soll am Münchner Gärtnerplatztheater eine Audition für «Cinderella» geben, junge Amateurtänzer erwünscht. Zehn spannungsgeweitete Augenpaare sind auf Alan Brooks gerichtet – haben die Kids aus seinem Samstagskurs eine Chance? Er lacht und wippt vergnügt auf den Ballen. «Hey, ich bin nicht Detlef Dings!», damit es noch einmal allen klar ist: in Alan Brooks’ Tanzworkshops geht’s nicht um sieben und siegen. Wer mitmachen will, darf. Wer sich nicht traut, von der Metaebene runterzuklettern und auch den dummen August zu machen, hat von der ganzen Sache gar nichts.

«Nein» – jetzt ganz großer Bruder (Alan Brooks ist 31): «Ihr kennt mich, wir sind nicht bei ‹A Chorus Line›.» Und unterstreicht das mit den ers­ten drei, vier Schritten aus der Musical-Choreografie, spaßeshalber. Die Vierzehn-Jährigen strahlen. Alan Brooks auch. Er ist in seine Mentorenaufgabe genauso verliebt wie seine Schützlinge in ihn. Niemand wird sich doof fühlen. Weil Brooks davon überzeugt ist, dass jeder seiner Schüler wertvoll und besonders ist und mit ein bisschen Unterstützung das auch im Tanz ausdrücken kann.

Chava ist erst zum zweiten Mal dabei. Die zweite Tanzstunde ihres Lebens. Sie schaut noch skeptisch. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2006
Rubrik: Tanz in Schulen, Seite 16
von Katja Werner

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zero Visibility Corp.: «I Have a Secret to Tell You ...»

Ina Christel Johannessen’s new ballet “I Have a Secret to Tell You (Please) Leave With Me” turns the world upside down, not once but several times during its duration; a full 90 minutes without intermission. The first thing that catches my attention is the emptiness; the white paper screen surrounding the stage on two sides in combination with a white floor...

Jirí Kylián: «Car Men»

Jirí Kylián, you have been working on your film, “Car Men,” for quite some time? Well yes, it’s a funny story really; it actually started by simply playing with the name Carmen, dividing it into two words, car and men. So through the division I came to the idea of cars and men. I discovered through Czech television that the earliest recording of Bizet’s “Carmen”...

Letter from Tokyo

Tokyo is a big, buzzing, chaotic city; the epitome of the metropolis, the stylized “mega city.” I am gradually coming to realize that this stylization is Tokyo’s subtext, but where does it come from? I would describe it as the result of a process of alienation leading to liberation from redundancy and the strait-jacket of “reality.” As an observer, I am no longer...