Vor-urteile
Man könnte sich natürlich so raffiniert rausreden wie Claude Debussy. In einer seiner nach wie vor lesenswerten Kritiken beschreibt der Komponist mit bewegenden Worten die Arbeit eines Kollegen: «Zu einer rhythmischen Figur, die etwas von einem Wiener Walzer an sich hat, machen Libellen gar rührende Gleitflugversuche, während im Hintergrund der Landschaft Nymphen sich nach der jüngsten Methode von Isadora Duncan im Tanze wiegen.
» Um am Ende in einer Klammer hinzufügen: «Da wir kein Programm hatten, ist es möglich, dass» – und hier erwähnt er den Namen des nicht eben unbekannten Mannes – «eine ganz andere Szenerie vorschwebte als uns. In diesem Falle möge er uns verzeihen.»
Im Ernst: Was sich ein Komponist, oder sagen wir in unserem Fall: ein Choreograf bei seiner Arbeit gedacht hat, muss sich nicht punktgenau mit dem Eindruck decken, den das Publikum später bei einer Aufführung davon gewinnt. Vorausgesetzt, es hat kein Programmheft zur Hand oder sich keinen der inzwischen offenbar unvermeidlichen Einführungsvorträge angehört. Beides macht sicher Sinn. Aber wenn die Vorabinformation dazu führt, dass sie den Blick verengt? Wenn sie der Fantasie nicht, wie eigentlich erhofft, auf die ...
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Tanz Januar 2019
Rubrik: Warm-up, Seite 1
von Hartmut Regitz
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Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance
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