unmündig...

...sei der Zuschauer, wenn er wie gefesselt in den Theaterreihen sitzt. Vor dem Katheder soll er einen Tanz genießen, von dem er nicht wirklich etwas versteht. Ist das der emanzipierte Zuschauer, fragt der Philosoph Jacques Rancière. Und plädiert dafür, uns endlich einmal richtig ernst zu nehmen.

Es gibt kein Theater, keine Performance, keine Tanzvorstellung ohne Zuschauer. Trotzdem ist dem Theater der Zuschauer als bloßer Zuschauer nie genug. Er soll mehr sein, soll ein Verstehender, ein Mitspieler, ein Kollaborateur werden. Jacques Rancière – französischer Philosoph der Ästhetik und Politik – beschäftigt sich in seinem Werk «Der emanzipierte Zuschauer» mit genau diesem «Paradox des Zuschauers». Warum darf der Zuschauer nicht einfach nur zuschauen?

Die traditionelle Skepsis gegenüber bloßem Zuschauen ist tief in unserer Kultur verankert.

Das Zuschauen ist seit Platons berühmtem Höhlen­gleichnis mit einer Illusion verbunden. Er hatte es sogar als Gegensatz zur Erkenntnis verhandelt. Gefesselt und gefangen, sitzen die Menschen passiv in einer Höhle und starren auf eine Projektion bloßer Trugbilder, Schatten, die sie womöglich für die Realität halten. Gefangen sind sie in der einen Perspektive, in der ihnen wie im Theaterstuhl die Hände gebunden sind. Sie können nur glauben, was sie sehen. Selbst aktiv werden können sie nicht.

Das Zuschauen sei somit eine Grundschuld des Theaters: Es erzeuge Illusionen und passive Menschen. Platon schloss daraus, das Theater sei generell ...

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Tanz Februar 2011
Rubrik: ideen, Seite 58
von Anke Euler

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