Unlohn der Angst

Philippe Saire: «Sang d’encre» in Basel

Tanz - Logo

Die Westschweizer Tanzszene ist ohne Philippe Saire nicht vorstellbar. 1995 bezog seine Kompanie das Théâtre Sévelin 36 in Lausanne: Es wurde zum Tanzzentrum der Romandie schlechthin. Hier veranstaltet er Festivals und bringt fast jedes Jahr eine eigene Kreation heraus. Sein neues Stück «Sang d’encre», Blut aus Tinte, aber wurde in Basel uraufgeführt als Koproduktion des Festivals Basel tanzt und der Journées de Danse Contemporaine Suisse. Saire beschäftigt sich mit der Angst. Und erreicht eine für ihn neue Direktheit.


Da schreien sich die Tänzerinnen Sun-Hye Hur und Karine Grasset in der Kaserne Basel diese Angst aus dem Leib. Und hieven sich gegenseitig in die Höhe, um virtuos zu fallen. Akrobatik und Kontakt-improvisation verbinden sich unter zuckenden Lichtblitzen zum Gruppentraining in Selbstverteidigung. Ein Tänzer lehnt sich gegen die Schulter seines Partners und wird im Schulterwurf zu Boden geschleudert. Mann und Frau üben sich kampfsportmäßig im Abwehren, Zutreten und Übereinander-Herfallen.
Bei den robusten Samaritern gibt es aber auch Slapstickhaftes. Sobald einer «Help» ruft, hechten die anderen herbei. Von blauen Küchenhockern kippende Tänzer fängt das Kollektiv in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2005
Rubrik: On Stage, Seite 46
von Martina Wohlthat

Vergriffen
Weitere Beiträge
Home-grown-up

It was 1978 when the first show by the now internationally known Grupo Corpo presented the possibility of a personal and Brazilian form of contemporary dance. From the first musical partnership with Milton Nascimento and Fernando Brant with the best of Brazilian music from the Minas Gerais – the same colonial mining region that is home to the group – Corpo grew up...

Hommage à Tatjana

Eine «Fanatikerin des Anspruchs» hat Klaus Geitel sie einmal genannt. Andere bezeichnen Tatjana Gsovsky als «Neuberin des neuen Tanz», als «Zarin des deutschen Balletts», die das Tanzgeschehen im Nachkriegsdeutschland und darüber hinaus so nachhaltig beeinflusst hat. Wen hat Tatjana Gsovsky nicht alles zur Mitarbeit angestiftet! Wie visionär waren ihre...

Dominique Efstratiou: «Orestie»

Kassandra sieht im Spiegel der fußhoch gefluteten Orchesterwanne Menschenleben. Im Palast hinter ihr verzehren sich Klytaimnestra und Aigisthos in erotischen Hebungen. Priesterinnen breiten dem heimkehrenden Agamemnon rote Kleidchen unter die Füße – blutige Erinnerung an die Opferung seiner Tochter. Sanft trägt der Feldherr seine Trophäe Kassandra herein, das Volk...