über armut
Arm ist, wer mit der Sorge ums Geld aufsteht, aus Sorge ums Geld arbeitet und mit derselben Sorge wieder ins Bett steigt. Armut kann unermesslich sein, und darum ist sie auch nicht messbar, nicht mal an der Füllhöhe des Kühlschranks.
Ist einer erst dann arm, wenn er keinen Kühlschrank mehr hat? Arm ist vielmehr, wer sein Denken nur noch schwer in andere Bahnen lenken kann, und immerzu ein Mantra wiederholt: Wie die Schulden zurückzahlen? Wie die Miete zusammenkratzen? Zu dieser Ansicht von Armut – als ein Handicap – gelangte 2013 eine bemerkenswerte Studie der University of British Columbia in der Zeitschrift «Science». Sie wies nach: «Knappheit fesselt die Aufmerksamkeit. Sie verbraucht mentale Bandbreite» in einem Ausmaß, das einer «Verringerung des IQ um bis zu 13 Punkte oder den Folgen einer durchwachten Nacht» entspricht.
Armut macht dumm
Armut neigt dazu, das Hirn mit unlösbaren Problemen zu verstopfen. Entsprechend sinkt diejenige Denkleistung, die lang- und mittelfristige Ziele verfolgt. Dazu gehört die Fähigkeit, über den Tellerrand zu schauen, eine Karriere zu verfolgen oder sich selbst (bei einer Bewerbung oder Audition) in ein gutes Licht zu rücken. Diese Unfähigkeit ...
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Tanz November 2014
Rubrik: ideen: tanz und politik, Seite 62
von Arnd Wesemann
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