Turin On Tour: «Auguri»

Olivier Dubois: «Auguri»

Tanz - Logo

Die Bilder, die tagtäglich auf uns einstürmen, überlagern unsere sinnliche Wahrnehmung und Empfindung. Fest vertäute Kästen in diffus schimmerndem Licht erinnern unwillkürlich an Frachtcontainer auf hoher See. Bald werden Menschen aus und zwischen ihnen hervorquellen. Einzeln, dann in Gruppen. Und sie rennen – immer im Kreis – scheinbar um ihr Leben. «Auguri» nennt der französische Choreograf Olivier Dubois sein jüngstes Werk, uraufgeführt beim «Internationalen Sommerfestival» auf Kampnagel in Hamburg.

Es beschließt eine Trilogie, die Dubois mit «Étude critique pour un trompe-l’œil» überschrieben hat. Ein Spiel mit der Täuschung also.

Gleich zu Beginn hebt ein Dröhnen an, als befänden wir uns im Inneren einer Maschine. Die Bühne liegt im Dunkeln. Schemenhaft schälen sich die Konturen der Kästen heraus. Eine Frau erscheint. Steht da und schaut. Eine schiere Ewigkeit lang. Vollkommen reglos ist ihr Körper, bis man das gleichmäßige Auf und Ab der Bewegung ihres Atems zu erkennen glaubt. Die Ruhe vor dem Sturm. Ein Mann tritt hervor, und der erste Lauf beginnt.

22 Tänzerinnen und Tänzer stark ist Dubois’ Compagnie Ballet du Nord, die der Choreograf Runde um Runde über die Bühne ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 43
von Irmela Kästner

Weitere Beiträge
Lost in Dhaka

Von den Barrieren, Zäunen, Mauern, an denen man sich im Leben immer mal den Kopf einrennt, wenn nicht noch mehr, ist die Grenze zwischen Männern und Frauen eine der populärsten. Von der Pein, wenn diese mitten durch einen einzigen Menschen hindurchläuft, können Transidente berichten. Meist liegen diverse Kämpfe hinter ihnen, bevor sie ein ihnen gemäßes Leben...

Hamburg

Über dem Graben liegt eine kreisrunde Scheibe, und das Orchester sitzt auf der Bühne. Ein junger Mann in Weiß kommt aus dem Zuschauerraum dazu, tippt zögernd auf die leere Spielfläche, als wäre es brüchiges Eis. Allmählich erobert er sich seine Bühne, andere junge Männer in cremefarbenen zeremoniellen Röcken (gestaltet von Albert Kriemler) gesellen sich zu ihm –...

Nach Venedig: Marie Chouinard

Marie Chouinard ist zur neuen Leiterin der Sektion Tanz der «Biennale di Venezia» ernannt worden und wird diesen Posten von 2017 bis 2020 bekleiden. Ihre Aufgaben umfassen neben der Organisation des internationalen Tanzfestivals die didaktische Koordination des «Biennale College», das Nachwuchskünstlern die Zusammenarbeit mit Meistern des Fachs sowie die...