wir lieben barock

Tanz und Gesang unterhalten die unter Geschwistern übliche Beziehung: mal Rivalen, mal Verbündete. In der Ära des Sonnenkönigs gingen sie Hand in Hand, was Choreografen zu Ausflügen ins Opernfach reizt. Beispiele von Kiel bis München sichtet

Lucinda Childs an der Kieler Oper? Lucinda Childs, die bei «Einstein on the Beach» dabei war als Choreografin und Tänzerin? Ja, vierzig Jahre danach inszeniert sie in Kiel Glucks «Orpheus und Eurydike». In der vergangenen Saison hatte sie dort bei Lullys «Atys» Regie geführt, und in der kommenden Spielzeit wird sie das bei Jean-Marie Leclairs «Scylla et Glaucus» tun. Und das ist keine neue Beschäftigung für die Grande Dame des postmodernen Tanzes: Schon im Jahr 1992 brachte sie Mozarts «Zaide» in Brüssel heraus.

Und der Kieler «Orpheus» ist seit 2002 (Glasgow) bereits ihre dritte Annäherung an Glucks Reformoper. Musikalisch ist die von Rubén Dubrovsky geleitete, historisch informierte Aufführung energisch und aufregend. Gespielt wird die übliche Mischfassung, einerseits mit einer Altistin als Orpheus wie 1762 in Wien, andererseits mit den Balletten, die Gluck 1774 in Paris hinzukomponiert hat – das lohnt sich für eine Choreografin. Und doch ist es eine Opernhandlung, die sie zu inszenieren hat. Auf der Bühne sehen wir einen Saal mit drei Flügeltüren über Eck. Darin ein Krankenhausbett – hier ist Eurydike gerade gestorben, die Ärztin lässt das Bett hinausschieben. Und wenn Orpheus ...

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Tanz Juli 2016
Rubrik: traditionen, Seite 54
von Bernd Feuchtner