surviving merce

Als Merce Cunninghams Tänzer am Silvesterabend 2011 ihre letzte Vorstellung gaben, flossen die Tränen. War die Abwicklung der Kompanie unumgänglich? Ja, erklärt ein Report, der die Entscheidungsfindung nachzeichnet

Er wich der Frage gerne aus, genau wie es Erblasser meistens tun. Am besten ließ man, sagt ein Vertrauter, «so nebenbei beim Abendessen eine Bemerkung fallen nach dem Motto – weißt du, wir haben uns Gedanken gemacht und meinen ….» Worauf Merce Cunningham entweder sagte: «Nein, das sehe ich nicht so.» Oder: «So könnte ich’s mir vorstellen.» Generell war er nicht übermäßig daran interessiert, «was passiert, wenn ich nicht mehr bin».

Was soll ein Choreograf, ein epochaler Tanzschöpfer seine Energie auf die juristisch wasserdichte Abfassung eines Vermächtnisses verschwenden, wo er doch nichts als das Hier und Heute der Kunst im Kopf hat?

Wie sich derzeit in Wuppertal zeigt (s. Seite 30), ist die Regelung der Hinterlassenschaft durch Hinterbliebene freilich mit erheblichen Risiken behaftet: Wie schafft es eine Kompanie, den Tod von Gründungsvater oder -mutter zu überleben, ohne zum Museum zu verkommen? Noch dazu, wenn über Jahrzehnte ein unverwechselbarer Tanz-Habitus in ihren Reihen herangewachsen ist – ein Image, das am Faden der Altvorderen hängt? In Merce Cunninghams Fall ist die Frage am Silvesterabend 2011, zweieinhalb Jahre nach dem Tod des Patriarchen, letztgültig beantwortet ...

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Tanz Juni 2013
Rubrik: traditionen, Seite 54
von Dorion Weickmann