mach's noch einmal

Pina Bausch und Jérôme Bel: Die Großmeister des Tanztheaters beziehungsweise des Konzepttanzes haben weit mehr miteinander gemein, als man wahrhaben möchte

Identität als Frage, Szene 1
Elegant schlägt die Frau in weißem Petticoatkleid und Pumps – es ist Meryl Tankard – auf ihrem Stuhl sitzend die Beine übereinander. Ein Mann im dunklen Anzug steht etwas schüchtern vor ihr und versucht, ihr Komplimente zu machen. «Ein schönes Kleid haben Sie da», sagt der Mann. «Danke schön», erwidert die Frau. Doch jetzt verschlägt es ihm die Sprache. Er weiß nicht weiter, woraufhin ihm die Frau ein Stichwort gibt. Immer wieder macht er einen Fehler, sagt oder tut etwas, was im Moment nicht opportun erscheint.

Fängt plötzlich an, mit seinem Gegenüber englisch zu reden, oder fasst ihr für einen Moment unbeherrscht ans Dekolleté, woraufhin sie ihn jedes Mal mit einem hysterisch geheulten «Nein» zurückweist. Manchmal kommt er ins Stocken. Sie hilft ihm aus der Klemme, gibt ihm ein Stichwort, damit die Szene ihren geplanten Ablauf nehmen kann. Die Szene muss jedes Mal wieder von vorn beginnen, bis sie richtig sitzt und kein Patzer den korrekten Ablauf einer Begrüßung zwischen Mann und Frau stört – wie in der Tanzschule. Noch mal und noch mal und noch mal, bis die Lust am Spiel sich in Schmerz verwandelt und die Situation ernst wird.

Szene 2
Gerade ist die ...

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Tanz Februar 2012
Rubrik: traditionen, Seite 52
von Gerald Siegmund