toulouse: Marco Berrettini: «IFeel2»

Eines Nachts beginnen sie wieder. Zwischen Laub, das büschelweise vom Himmel hängt, stehen sich der Mann und die Frau gegenüber im spärlich kühlen Licht. Tragen Schuhe und lange Hosen, nackte Oberkörper. Erwachsene. Marco Berrettini und Marie-Caroline Hominal. Er tanzt los, sie steht ihm gegenüber, tritt in den Takt ein, und sie trennen sich nie wieder, 70 Minuten lang. Sie tun nichts weiter, als Verbindung zu halten, ohne einander zu berühren. Sie tun nur Schritte. Rechts-rechts-rechts, kreuzen, tapp, links-links-links. Auge in Auge. Die Schultern schwingen ein bisschen mit.

Die Laufrichtung ändert sich: hinten, vorne, tapp. Die Hände hängen, jetzt heben sie sich ein wenig höher, biegen sich, die Knie wippen etwas mehr mit als vorher, dann weniger. Die endlosen Repetitionen sind wie ein Wald, in dem der Betrachter den Blick für die Bäume verliert. Er darf versinken in dem, was da ist: dem Takt, den auch die Musik von Sommer Music verfolgt; den Schritten des Paars auf dem klangschluckenden Teppichboden. Die beiden geben sich mit dem kleinen Rahmen völlig zufrieden – «ich und du» oder eben «iFeel2» – und scheinen in der Ziellosigkeit ein seltsames Glück zu finden.

Aber immerzu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 41
von Melanie Suchy

Weitere Beiträge
生长 genesis

Als ihn die chinesische Tänzerin und Choreografin Yabin Wang fragte, ob er mit ihr zusammenarbeiten wolle, musste Sidi Larbi Cherkaoui wahrscheinlich nicht lange überlegen. Die Leiterin einer von ihr gegründeten und nach ihr benannten Tanz-Kompanie genießt nicht nur in ihrer Heimat China einen formidablen Ruf. Ihr erstaunliches Solo in Zhang Yimous Kinofilm «House...

separatisten

haben keinen guten Ruf – dabei trennen sie Spreu von Weizen, Papier- von Plastikmüll, klassischen Tanz von zeitgenössischen Formen. Immer geht es um Reinheit, um das Unverfälschte, um die Sauberkeit auch einer Tanzbewegung. Wenn sich Mitte Februar in Dresden die Crème der Tanzpädagogen zur Ausbildungsbiennale trifft, wird es auch darum gehen, ob diese Lust an der...

luft nach oben

Vom 15. bis zum 23. Februar ist die Palucca Hochschule für Tanz Dresden Gastgeberin der vierten Ausgabe der «Biennale Tanzausbildung». Die Kernfrage, der sich die staatlich geförderten Tanzakademien dort stellen werden, lautet: Für wen bilden wir aus, für welche Art von Kompanien und für welche freie Szene? Neun deutsche Tanzhochschulen und fünf internationale...