Toula Limnaios: «Life is Perfect»

Athen

Tanz - Logo

Ihre Eltern flohen vor der griechischen Diktatur nach Belgien. Die Tochter, die ihre eigene Spielstätte in Berlin betreibt, kehrt jetzt kurz zurück ins Land, das mit orthodoxer Beharrlichkeit sich weigert, Nackte auf der Bühne zu ertragen. Das Schlussbild in Toula Limnaois’ jüngstem Stück: ein Haufen sehr leiblicher Leiber vorn, ein Berg von Kleidern weiter hinten. Das Ende vom Lied. Tot ist tot. Und der Tod ist nackt, weil Menschen nicht immer in Würde sterben. Weil sie auch massenweise gestorben werden.

Dieses unvermittelte Ende macht wohl Sinn: Jeder Anfang vom Lied ist ein Atem.

Und wenn’s aus ist, gibt’s keine Luft mehr, die den Körper schützt, ihn lachen oder keuchen ließe. Darum muss bei Toula Limnaios andauernd und alles und in aller Form atmen. Sogar ein Stuhl. Die sich drauf Setzende, Lehnende, ihn auch mal Kopulierende entlockt seinen Kissen einen Atem, als sei's ein Bandoneon. Das kommt auch vor und haucht Geist ins Stück: Tango.

Zwei, drei klassische Schritte sind noch erkennbar, dann wird er kraftstrotzend ein Kampf von ständig Gleichstarken. Ein Paar stürzt sich mit verbundenen Augen aufeinander, sich nur an den Geräuschen der Schuhe findend, stößt die Beine in den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2007
Rubrik: Der Kalender, Seite 36
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Fabienne Berger mit «Elle(s)»

«Elle(s)» steht ohne Zweifel im Plural: Das neueste Werk von Fabienne Berger ist Frauenbildern gewidmet. Portraits, die langsam ihre überlebensgroßen Münder zu einem Lachen öffnen. Frauen als kleine, auf die dunkle Rückwand projizierte Silhouetten. Sie werden beobachtet, halbwegs imitiert und so von der Interpretin auf der Bühne als virtuelle Mitspielerinnen...

Laurie Uprichard

Laurie Uprichard from Danspace in Dublin is the new artistic director of International Dance Festival Ireland (IDFI). Dublin mightn’t have a frenetic dance activity, but the relatively well-supported IDFI can reward ambition, as it becomes an annual event next year. Previously, under the direction of founder Catherine Nunes, the festival managed to mix glamorous...

Pina Bausch

Was heißt hier Liebe? Wenn Pina Bausch sich auf Geschlechterbeziehung einlässt, verstärkt sich mehr und mehr der Eindruck, man wohne einem Kunststück bei. Da ist Jorge Puerta Armenta, den Mund gespitzt. Doch Anna Wehsarg hält ihre Latte hoch. Erst als der Mann, das dressierte Tier, durch einen Reifen springt, treffen sich die scheinbaren Kontrahenten im Kuss. Nicht...