Thomas Hauert

Lissabon

Thomas Hauert «Accords»
Die «accords» beginnen im Dreiklang: drei Personen nebeneinander. Gleich knickt die Mittlere im Knie ein, die anderen tun ihr nach; der rechte Tänzer wendet die Handflächen um, die anderen auch; der Dritte reckt zackig eine Schulter, ein Knie, hebt die Hand. Schnelle Bewegungen wechseln mit verzögerten. Die drei werden zum lockeren Pulk, jeder tut das Gleiche, was nie dasselbe ist. Dann tritt Musik hinzu, Lichtwechsel, Sequenzen mit ein, zwei, bis zu sieben Tänzern. Nie kommt das Stück zurück zum Standpunkt der Drei.

  Aus der Stille wird etwas losgetreten, das unaufhaltsam fortläuft. Wohin?
In den «accords» schwärmt es. Die Tänzer gehen im Miteinander auf. Das Grundgerüst der Szenen scheint vereinbart; die Bewegungen werden prompt erschaffen. Und nachgemacht. Wer sich in der für alle sichtbaren Richtung befindet, gibt vor, und die Richtungen wechseln dauernd. Synchronie ist keine Sache des Drills, sondern der Umsetzungsgeschwindigkeit. Für den Zuschauer reizvoll: die Lücke zwischen Imitat und Abweichung; alles wird unscharf und flüssig.
Die Bewegungen sind nicht auf schöne Linie aus, sondern auf deutliche Artikulation vor allem der oberen Extremitäten. ...

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Tanz Juni 2008
Rubrik: Der Kalender, Seite 46
von Melanie Suchy

Vergriffen
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