The Queen Of Hearts
Ja, das balletttheater München gibt’s noch. Was nicht heißt, dass alles eitel Sonnenschein wäre. Die Finanzknappheit bringt Kämpfe mit sich – um Tänzerstellen, um die Zahl von Produktionen und Aufführungen. Der Engländer Taylor wundert sich da ein wenig über die Schwerfälligkeit deutscher Spartenhäuser. Aber noch ist ihm nicht der Finanzminister in Gestalt der Herzkönigin begegnet und hat geschrien: Rübe ab! Der Ballettchef des kleineren von Münchens zwei Opernhäusern plante bereits vor dem Finanzfiasko des vergangenen Sommers die «Alice im Wunderland».
Und hatte sich was Schwieriges vorgenommen, nicht nur, weil es sein erstes abendfüllendes Handlungsballett werden sollte. Er wollte nicht mit Schritten und Schrittchen in aussichtslose Konkurrenz zum unerreichbaren Sprachwitz seiner Vorlage treten und wollte nicht Bekanntes nur nacherzählen. Es wurde also: ein Handlungsballett ohne Handlung. Dabei unterliefen ihm zwei Fehler. Deutschland ist nicht England. Dort fällt irgendwann mal jedes Kind ins Erdloch, dem weißen Kaninchen hinterher. In England gehören Zitate aus der «Alice» zum alltäglichen Sprachschatz. Hierzulande ist sie kaum präsent. Und man weiß kaum, wie bös, wie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
www.tanztheater-global.com hat keinen üblen Anspruch. Auf der ganzen Welt tanzen und doch zu Hause bleiben und Internet schauen. Neulich im Berliner Dock 11 zeigte die Gründerin von Tanztheater Global, Be van Vark, folgenden Digi-Tanz: Die Kamera kreist durch ein schäbiges Zimmer, immer um die eigene Achse herum, und die Tänzer liegen, stehen, fallen bei jeder...
Es gibt Tänzer, die gibt’s nicht. Artistes chorégraphiques nennen sich bei den Ballets de Monte-Carlo die Künstler, die im Grimaldi-Forum mühelos die Bühne füllen: Bernice Coppieters zuvorderst, die unter dem Eindruck des zuvor Erlebten immer wieder erschaudert. Den Schlag in die Magengrube hat ihr Körper nicht vergessen. Die ganze Brutalität ihres Partners ist...
Besonders pfiffige Zuschauer brachten ihre Wachsstöpsel mit. Sie hatten in der Presse von «ohrenbetäubendem Gitarrengewitter» gelesen. Die ersten flohen aus dem Toboggan nach fünfzehn Minuten. Dabei war es gar nicht so schlimm. Drei E-Gitarren lagen friedlich vorn am Bühnenrand, was bei Maguy Marin keine Überraschung ist. Von rechts nach links lief ein weißer...
