Teufelszeug

Die Moriskentänzer des Erasmus Grasser in München

Sie werfen schwarze Schatten, denn anders als im Alten Münchner Rathaus, wo sie ursprünglich in engen Nischen aufgestellt waren, stehen sie nun frei. Unter vom selben Bildhauer ebenfalls aus Laubholz geschnitzten und gedrechselten Stadtwappen kann man sie derzeit genüsslich umrunden und sehen, dass genau wie die Schauseite auch ihre Rücken, ihre Hinterteile, ihre Waden, ja selbst ihre fliegenden Rockschöße und Ärmel voll ausmodelliert und bemalt sind. Daraus erklärt sich, warum sie auch im Stand auf festen Sockeln ununterbrochen in Bewegung zu sein scheinen.

Diesem Eindruck verdankt sich der Titel dieser ersten Ausstellung des Gesamtwerks von Erasmus Grasser, Münchens einzigartigem Bildhauer, im noblen, am Englischen Garten gelegenen Bayerischen Nationalmuseum: «Bewegte Zeiten». 

Aber eben nicht nur. Denn an Grassers berühmten Moriskentänzern – 1480 geschaffen, zu sehen anlässlich des 500. Todesjahrs ihres -revolutionären Schöpfers und in Beziehung gesetzt zu dessen kirchlichen Werken – begreift man den radikalen Bruch mit der christlichen Ikonografie, der sich an ihnen vollzog. Die ursprünglich 16 Figuren, von denen zehn erhalten sind und wiederum fünf im Nationalmuseum ...

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Tanz Juli 2018
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Eva-Elisabeth Fischer