Tauberbach

Altkleiderberge und eine Handvoll exzellenter Akteure: Alain Platel zeigt die Rückseite des Luxuslebens. Passenderweise in den Münchner Kammerspielen, gelegen an der Nobelboutique-Meile Maximilianstraße

Alles schön bunt hier: Kleidungsstücke bedecken die Bühne, türmen sich zu pittoresken Haufen, hängen über abgesenkten Riggs. Nicht minder attraktiv ragt die schlanke Elsie de Brauw statuarisch aus dem Chaos. Das Gesumm von Schmeißfliegen hängt in der Luft. Es gibt den offensichtlich sauberen Kleidern einen leicht widerlichen Touch. Bunt ist es, aber schön? «Bad day», sagt Elsie de Brauw. «Stay in control», antwortet eine verzerrte Männerstimme aus dem Off. Die Frau scheint mit sich zu hadern, zu ringen, sie stöhnt, heult und spricht in einer Fantasiesprache zu sich selbst.

Dieser Ort ist alles, was sie hat. Sie verlässt ihn ebenso wenig wie die anderen, die Stofftürme herumtragen, sich an die nach oben fahrenden Riggs hängen und von dort abspringen. Sie landen im Kleiderberg, dass es staubt. Dann erklingt Musik von Bach, Gesang setzt ein, schräg, merkwürdig fremd. Er wird von Gehörlosen gesungen, dem Projekt «Tauber Bach» von Artur Zmijewski, das dem neuen Stück von Alain Platel den Titel gab: «Tauberbach».

Es ist Platels lang erwartete Kreation für die Münchner Kammerspiele, koproduziert vom Uraufführungshaus (unter anderen) mit den ballets C de la B und dem NT Gent. Dorthin wird ...

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Tanz März 2014
Rubrik: produktionen, Seite 8
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dance-dialogues-africa.org

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