Tanzland, Stunde Null

Neubeginn oder Kontinuität – was brachte der Kalte Krieg in Ost und West mit sich? Die Tanzhistorikerin Annie Suquet stellt in Paris ihre Thesen vor

Annie Suquet beleuchtet Tanz im Spannungsfeld politischer und gesellschaftlicher Strömungen. Die Forscherin arbeitet zurzeit an einem Buch über den Einfluss des Kalten Krieges auf die Entwicklung der Tanzszenen in Ost und West. Es schließt direkt an ihre Studie zur Geburt der Tanzmoderne vor 1945 an, soll die Zeitspanne bis in die 1960er-Jahre abdecken und Makro- mit Mikroanalyse verbinden. Kürzlich hat Suquet einen Auszug aus dem Manuskript am Centre National de la Danse in Pantin bei Paris öffentlich zugänglich gemacht.

Der Text ist dort einsehbar und befasst sich vornehmlich mit der Nachkriegsentwicklung in Deutschland. Die folgenden Thesen hat Suquet zudem im Rahmen einer Projektskizze vorgetragen.

Auch vor dem Eisernen Vorhang lässt sich tanzen. Doch wirklich frei ist niemand

Der Tanz schafft seine Werke nicht in einer isolierten Sphäre, sondern ist von allen großen- intellektuellen oder soziopolitischen Fragestellungen sowie technologischen Entwicklungen durchdrungen. Der Zweite Weltkrieg brachte eine entscheidende Zäsur, der Kalte Krieg hat die Übertragungsmechanismen von Politik auf Tanz noch einmal intensiviert. Es wäre aber riskant, die unterschiedlichen Entwicklungen ...

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Tanz April 2018
Rubrik: Traditionen, Seite 52
von Thomas Hahn

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