Was schreibt die Geste?

Patrick Primavesi fragt, warum nicht der Tanz an sich, sondern seine Geste dazu führt, ihn zu politisieren. Sein Beispiel: die Arbeit der Forsythe Company. Sein Kontext: Mehrere Symposien in Berlin, Düsseldorf und Leipzig reden von nichts anderem mehr als der Geste. Warum? Weil nur die Geste den Tanz wieder politisieren kann

Auch im Tanz geht es immer häufiger darum, Erwartungen zu enttäuschen und Laborsituationen zu schaffen, die das Publikum herausfordern und verunsichern. Wenn diese Tendenz in William Forsythes Arbeit verstärkt wahrzunehmen ist, seit der institutionelle Rahmen des Ballett Frankfurt weggekürzt wurde, erscheint es, als wäre das neuerliche Experimentieren wie ein Statement, dass die Kompanie überhaupt noch existiert, obwohl ihr das Existenzrecht bestritten wurde. Gerade die Fortsetzung der Arbeit zeigt, dass sie ein Recht hat, sich zu behaupten und Tanz andrs zu machen und zu sehen.

Jetzt erst recht – wo es auf keine Weise mehr selbstverständlich ist, dass es ihre Arbeit gibt. So artikuliert sich ein Recht auf Dasein, das mit einem Recht auf Tanz zusammenfällt.

Worin aber liegt das Politische in der Arbeit der Forsythe Company, wenn es nicht bloß darum gehen kann, weiter Kunst zu produzieren und den Repräsentanten der öffentlichen und privaten Haushalte zu ermöglichen, sich darin zu spiegeln? Ein Seitenblick auf die Entwicklung des Theaters zeigt, dass sich die Frage nach dem Politischen besonders oft da stellt, wo der Gegensatz zur Politik aufreißt, nicht nur zur Politik der Kultur und ...

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Tanz Januar 2007
Rubrik: Tanzkunst, Seite 54
von Patrick Primavesi

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