Tanzen wie die Neuronen
Wolf Singer,
erzählt Ihnen William Forsythes Choreografie etwas über die Struktur unseres Wahrnehmens und Denkens? Ich denke schon. Charakteristisch ist in all seinen Inszenierungen die Parallelität der Ereignisse. Es passiert immer an vielen Orten gleichzeitig etwas, das sich selbst organisiert. Wenn man das Netzwerk der Bezüge anschaut – dazu braucht man allerdings eine Analyse, man müsste die Tänzer interviewen, um zu wissen, wann sie was machen –, dann wird deutlich, dass ein Geflecht entsteht wie im Gehirn auch.
Es gibt einerseits Wechselwirkungen zwischen direkten Nachbarn, daraus entsteht dann eine lokale Dynamik, die etwas initiiert. Zwei Tänzer sitzen zum Beispiel am Ende der Bühne und warten. Dann passiert etwas und triggert zum Beispiel bei einem Dritten in der Mitte der Bühne ein Verhalten, und wenn dieser in eine ganz bestimmte Phase seiner Bewegung kommt, singen die anderen zwei dazu. Das ist sehr weiträumig komponiert und hat viel Ähnlichkeit mit sozialen Systemen. Dort gibt es zahllose Verbindungen zwischen nächsten Nachbarn und Langstreckenverbindungen, wie z. B. Verwandte und Freunde, die am anderen Ende der Stadt wohnen, die man aber anrufen kann. Es gibt also ...
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Goyo Montero
«Benditos Malditos»
Nürnbergs neuer Ballettchef feierte seinen Einstand nicht auf einer der großen Bühnen des Staatstheaters, sondern in der Tafelhalle. Egal, ob das nun Understatement ist, logistische Notwendigkeit oder Publikumskreis erweiternder Kunstgriff, irgendwie zu bescheiden wirkt es doch. Immerhin lernt man so die «Benditos Malditos» aus der...
Ich stand auf dem Postschiff zum Nordkap und sah das Nordlicht. Um mich herum lauter Touristen, die meisten aus Deutschland. Alle starrten in den dunklen Himmel mit dem tanzenden, sich so frei bewegenden Nordlicht vor der nördlichen Küste Norwegens, der Finnmark. Langsam verschoben sich die flackernden Lichtflächen und verschwanden. Wir bewunderten, was in den...
Marco Goecke, Scapino
«4x20 Storyproof»
nennt sich der neue Abend des Scapino Ballet Rotterdam und stellt mit Marco Goecke, Georg Reischl, Christophe Garcia und Ed Wubbe gleich vier Choreografen als «abstrakte Geschichtenerzähler» vor. Auf den Haus-Choreografen des Stuttgarter Balletts trifft die Kennzeichnung insofern zu, als sich Marco Goecke hier auch in seiner...
