Marina Abramovic

The Biography Remix. Muss die Performance sterben, damit sie ewig leben kann? Marina Abramovic erobert in Avignon die Theaterbühne. Thomas Hahn war ihr Zeuge

Sie war die Queen von Avignon. Wer sank nicht vor ihrer Ausstrahlung auf die Knie, wenn sie durch die Straßen der Stadt der Päpste schwebte? Weil sie die First Lady der Performancekunst ist und in Avignon das Zepter schwang. Aber Marina Abramovic ist auch die Enkelin des Patriarchen der Serbisch-Orthodoxen Kirche, der von des Königs Leibarzt mit zermahlenen Diamanten im Essen ums Leben gebracht wurde. Die Nähe von Leben und Tod, das labile Spiel mit der Verletzlichkeit des Körpers sind in ihren Aktionen beinah genetisch veranlagt.

Und sie dominierte das Fes­tival d’Avignon, das Jan Fabre als artiste associé diesmal programmierte. Trotz seines Hungers nach Spiritualität: der Krieger der Schönheit aus Antwerpen macht Kunst, selbst wenn er dann und wann sein eigenes Blut oder Sperma einsetzt. Abramovic aber ist Kunst. Das hat sie nicht nur proklamiert, sie hat es Jahr für Jahr bewiesen. Und: War Fabre die Zielscheibe aller Kritik, wurde Abramovic bejubelt. In «The Biography Remix» zieht sie eine stichwortartige Bilanz ihrer Person, ihres Lebens, ihrer Kunst. Sie will, sie kann, sie darf die Trias ihrer Existenz nicht auseinander dividieren: Es war die dritte Begegnung mit der eigenen ...

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Tanz Oktober 2005
Rubrik: Tanz-Kunst, Seite 60
von Thomas Hahn

Vergriffen