Tänzerin des Jahres: Anne Teresa De Keersmaeker

Die belgische Künstlerin ist ein Idol: als Choreografin. Und ein Phänomen: als Tänzerin. Die eine kommt nicht ohne die andere aus

Anne Teresa De Keersmaeker gehört nicht unbedingt zu den sonnigen Gemütern der Tanzszene. Die ernste Miene über einem mit den Jahren immer asketischeren Körper lässt zunehmend an Pina Bausch denken, die allerdings, je älter sie wurde, desto häufiger auch öffentlich lachte. Bei De Keersmaeker verblüfft es umso mehr, wenn ihr nach dem Ende von «Partita 2», ihrem im Mai uraufgeführten Duett mit Boris Charmatz, die Gesichtszüge zu einem glückseligen Lächeln entgleiten. So geschehen beim Berliner Gastspiel der Produktion.

Vorausgegangen war eine Stunde enormer Konzentration, wie man sie von De Keersmaeker grundsätzlich kennt. Auch dann, wenn das Bewegungsvokabular so locker, so bewusst einfach gehalten ist wie hier zu Bachs Tänzen, die dieses Mal nicht in heiligem Ernst vorgetragen werden. Die Geigerin Amandine Beyer verleiht ihnen Schwung, der die Tänzer unwillkürlich mitnimmt. Sie gehen, sie laufen im Kreis und entwickeln daraus ihre Bewegungsvariationen, ihre Schrittkombinationen. Das hat etwas überaus Kindliches, wie man es sehr wohl von Charmatz, nicht aber von De Keersmaeker kennt. Vielleicht hat die schlichte Tanzlust diesen unerwarteten Glücksausbruch bewirkt. Denn die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2013
Rubrik: Die Saison 2012/13, Seite 136
von Eva-Elisabeth Fischer

Weitere Beiträge
Marketing

«publikum spielt mit: lachen, spucken, pfiffe, tierlaute #balletsrusses @tceopera #skandal», twitterte @jeancocteau am 29. Mai 1913, angehängt war die verwackelte Smartphone-Aufnahme einer tobenden Menge. Binnen Sekunden ging der Tumult im Théâtre des Champs-Elysées um die Welt, am nächsten Morgen klickte man in Petrograd und New York die Mitschnitte auf YouTube...

Der Protagonist

Worauf schaut ein Tänzer, wenn er sich ein Bild von einem Kollegen macht? Auf seine Füße? Auf sein Gesicht? Auf seinen Körper? Darauf eine Antwort zu finden, treffe ich mich morgens am Wasserturm im Prenzlauer Berg mit Michael Banzhaf, etliche Ballettzeitschriften unterm Arm – nicht nur die eigenen, sondern auch einige in einer uns weniger geläufigen Sprache....

Der Beobachter: Henry Leutwyler

Henry Leutwyler, was hat Sie bewogen, diesen Bildband zu machen? Es sind nicht unbedingt perfekte Augenblicke – im Sinn des konventionellen Ballettverständnisses –, die Sie festhalten.
Mein Hauptanliegen war es, Schönheit einzufangen. Und ich glaube nun mal, dass Schönheit nicht in der Perfektion zu finden ist. Die Perfektion einer bestimmten Tanzproduktion...