Mit Haut...

Wir sehen Tänzer als Ganzes. Das Harmonieren der Glieder. Dabei werfen sie ein Bein, die Hand zeigt nach Süden, der Hals reckt sich, der Po rotiert, und die Füße sind so schnell, dass man sie nicht mehr sieht. Das ist Tanz. Der Körper zerteilt sich. Auf den nächsten Seiten bewundern wir ihn im Detail – vom Scheitel bis zur Sohle, mit Haut und Haar

Was ist Haut? Bloße Oberfläche oder ein Körperteil? Weder noch. Ich würde die Haut als Organ bezeichnen. Das größte, das unser Körper hat. Und bezogen auf mein Stück, «The Sea is a Skin»: Wir haben uns mit Membranen beschäftigt. Das kann die Außenhaut sein, aber es können auch die vielen inneren Membranen sein.

Sie tanzen Naturwissenschaft? Auch, aber die entscheidende Rolle hat die Bildende Kunst gespielt.

Da wird Haut doch meist zur Leinwand von Identitätsspektakeln. Sie wird kosmetisch bearbeitet, tätowiert, gepierct, geritzt, gefärbt.

Vor allem Künstlerinnen bemächtigen sich ihrer Haut und des Bilds, das darauf projiziert wird. Als könnte ihre entblößte Haut provozierend zurück schauen. Themen wie Identität usw. stehen in anderen Stücken im Zentrum. Hier richtet sich unser Blick eher auf die Schichten darunter. Die Idee dazu wurde geboren, als ich 2001 auf
der Biennale von Venedig die Installationen von Ernesto Neto entdeckt habe. Er gilt als einer der führenden Künstler seines Landes, und sein Hauptthema sind Membranen. Sie müssen sich vorstellen: Neto füllt ganze Räume mit Stoffmembranen in biomorphen Formen, sodass man als Besucher nicht davor, sondern mitten in seinen Werken ...

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Tanz August/September 2008
Rubrik: Tänzer in Teilen, Seite 12
von Katja Werner

Vergriffen